Der Resilienz-Speicher - was uns stark macht

Shownotes

Warum kommen manche Menschen trotz schwerer Erfahrungen erstaunlich gut klar, während andere lange kämpfen? Liegt das an Charakter, an Willenskraft – oder einfach an Glück? Sind resiliente Menschen Superhelden? Oder steckt dahinter etwas viel Unspektakuläreres: ganz normale Magie?

In dieser Folge sprechen wir über Trauma, über das berühmte „Fass im Kopf“ und darüber, warum Belastung allein erstaunlich wenig darüber aussagt, wie es Menschen später geht. Es geht um Sinn, um Beziehungen, um Gefühle – und um die Frage, was wirklich hilft, wenn das Leben schwer wird.

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Quellen

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Briggs, E. C., Amaya-Jackson, L., Putnam, K. T., & Putnam, F. W. (2021). All adverse childhood experiences are not equal: The contribution of synergy to adverse childhood experience scores. American Psychologist, 76(2), 243–252. https://doi.org/10.1037/amp0000768

Felitti, V. J., Anda, R. F., Nordenberg, D., Williamson, D. F., Spitz, A. M., Edwards, V., Koss, M. P., & Marks, J. S. (1998). Relationship of childhood abuse and household dysfunction to many of the leading causes of death in adults: The adverse childhood experiences (ACE) study. American Journal of Preventive Medicine, 14(4), 245–258. https://doi.org/10.1016/ S0749-3797(98)00017-8

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Empfehlungen Betreutes Fühlen, Folge vom 16.09.2025: Wie heilt ein Trauma? – Das sagt die Forschung Betreutes Fühlen, Folge vom 27.07.2021: Wie resilient bist du?

Redaktion: Dr. Leon Windscheid, Julia Ditzer

Produktion: Murmel Productions

Transkript anzeigen

00:00:00: Die finden jetzt wirklich nennenswerte Zusammenhänge zwischen Trauma in der Kindheit und Krankheiten Schwierigkeiten bei älteren Erwachsenen.

00:00:09: Aber wenn du immer systematisch wirklich geschlagen wirst und zu Hause ein unsicheres Umfeld ist, du immer deinen Rade anhaben musst, das ist ja nochmal ganz was anderes als wenn deine Eltern mal super schlechte

00:00:21: haben.

00:00:22: Deine Erfahrung, die passt ja gar nicht in die DSM-Kriterien eines Traumers, deswegen stell dich doch jetzt mal nicht so an.

00:00:27: Dein Vater hat dich ja nur einmal geschlagen, ist nur einmal die Hand ausgerutscht.

00:00:31: Jemand anders musste vielleicht was ganz anderes Furchtbares ausmachen, sondern das hat eben immer auch eine individuelle Komponente.

00:00:38: Also ich mach's jetzt grad so profan und natürlich auch so ein bisschen syffisant, damit wir alle verstehen, dass eben dieses Training nicht allen leicht fällt und einige vielleicht auch nicht so viel... Voraussetzung dafür mitbringen und sich da mühsam hinquellen müssen.

00:01:06: Leon.

00:01:09: Zweite Folge in diesem Jahr, Mensch.

00:01:13: Endlich schon wieder, oder?

00:01:14: Ich habe richtig Bock.

00:01:15: Ja, ich habe auch total Bock.

00:01:16: Und ich habe total Bock auf dich.

00:01:19: Da habe ich so richtig gefreut.

00:01:22: Im Moment sieht man so viel Zitate von dir, all überall.

00:01:26: auf allen portalen auf allen seiten selbst bei bunte de was

00:01:30: unter die?

00:01:30: das muss wir klären.

00:01:32: ja was was hatte ich dann eben noch?

00:01:35: ndr die hast du so ein paratschläge und zwar das letzte war kann man die kalisch nicht einwandfrei da kommst du sicher zuhause.

00:01:44: ich würde mal die deckung oben lassen weil das ndr zitat ich habe es jetzt nicht vorliegen ungefähr so.

00:01:50: wir alle sind am tun und machen Und das müssen wir deiner Mutter verschweigen.

00:01:58: Am Tun und Machen dran, haben meine Eltern immer gesagt.

00:02:02: Das ist dieses englische I'm doing this and that.

00:02:05: Und dann gibt es ja im Deutschen nicht.

00:02:06: Und gut gerechnet.

00:02:11: Ja, das freut mich, dass du gut drauf bist, dass du dich als vitaler Rüde mit der... Floskel hier einlässt, dass du Bock auf mich hast.

00:02:18: Ist auch schön, das kann ich nur so zurückgeben.

00:02:20: Ich habe auch sehr Bock auf diese Woche, weil wir am Mittwoch, wir nehmen hier heute Montag auf, am Mittwoch die Zeitzeugenveranstaltung mit Eva und Anita ihrer Tochter in Offenbach machen und dass sich jetzt um die tausend Leute angemeldet haben, ganz viele Schülerinnen und Schüler.

00:02:34: und meine Aufregung steigt, weil das habe ich so auch noch nie gemacht, aber ich bin wieder... voll in der Geschichte drin und das doch alles sehr bewegen.

00:02:42: Wann hast du das

00:02:43: große Vorfreude diese Woche?

00:02:44: Wann hast du zum letzten Mal irgendwas zum ersten Mal gemacht?

00:02:46: Kannst du am Donnerstag ganz knallhart beantworten?

00:02:51: Ja, schön.

00:02:51: Mensch, grüß die beiden mal vor mir.

00:02:53: Hab ich die zu lange nicht gesehen.

00:02:54: Mach

00:02:55: ich.

00:02:55: Ich frage auch immer noch dir.

00:02:58: Grußwort sozusagen.

00:03:00: Und jetzt haben wir ja schon die zweite Folge dieses Jahr.

00:03:03: Welche Vorsätze sind schon gescheitert bei dir?

00:03:06: Ich habe... Was

00:03:08: schon fast ein Thema.

00:03:09: Ich kennste

00:03:10: dieses Thema New Fear Introduced oder Unlocked, wenn du so eine neue Angst hast, von der du gar nicht wusstest, dass du sie hattest.

00:03:16: Ach, hast du eine Angst?

00:03:17: Also zum Beispiel, nee, aber ich hab, ja natürlich hab ich tausend Ängste, aber es war so,

00:03:22: vielleicht

00:03:22: kennst du diese Videos, ich hab ja letztens in London gedreht, wo dann so Leute aus London von der Haupteinkaufsstraße, jetzt komm ich nicht auf den Namen Oxford Street, Bond Street, irgendwie sowas da, also diese ganz großen Einkaufsstraßen in

00:03:34: London.

00:03:34: Regent Street, ja.

00:03:35: Ja, genau, wo die dann so Videos zeigen.

00:03:37: und dann kommen Leute komplett schwarz vermummt mit dem Fahrrad von hinten zum Teil E-Bike angeraßt und reißen dir das Handy aus der Hand, das du gerade in der Hand hast.

00:03:46: Und dann haben die wirklich so erweckenden Eindruck in diesen Videos, dass du keine fünf Minuten über diese Straße geben musst mit deinem Handy in der Hand.

00:03:53: bis es dir aus der Hand geklaut wird.

00:03:55: Und das ist so eine new fear unlocked in meinem Kopf, so eine neue Angst, die jetzt da ist.

00:04:00: Und da hatte ich eine durchaus kleinere, aber für mich im Alltag eigentlich fast noch schlimmere, weil mir Leo erzählt hat, dass eine Freundin von ihm, immer wenn sie nach Hause kommt, ihre Handyhülle wechselt.

00:04:10: Also sie hat für zu Hause eine andere Hülle um ihr Handy, als wenn sie draußen ist.

00:04:16: Und dann denkst du erst mal, was soll das?

00:04:18: Aber die Erklärung... Naja, dieses eklavte Handy, dass du den ganzen Tag da, wenn du in der U-Bahn die Stange angepackt hast und dann das Handy in die Hand nimmst.

00:04:25: Wenn du vom Klo kommst und das Ding... Also du hast es ja die ganze Zeit in der Hand.

00:04:29: Es muss ja voller Keime und eklavtiger Sachen sein.

00:04:31: Gerade diesen Ritzen zwischen der Handyhülle und dem Handy.

00:04:35: Was ist da alles drin?

00:04:36: Und es ist so ein bisschen wie die Geschichte mit dem Wasserkocher im Hotel, wo irgendwie ich gehört hab, dass Leute ihre Unterhosen und Socken da denn auskochen, wenn sie versehentlich auf Reise nicht genug dabei haben, dass ich jetzt hier sitze und die ganze Zeit denke, shit.

00:04:47: Ich habe zu Hause keine zweite Hände für mein Handy.

00:04:50: Und jetzt habe ich die ganze Zeit diese Keime an der Hand.

00:04:52: Und wenn man dann im Bett liegt und doch mal wieder aufs Handy guckt, was wir eigentlich nicht wollen, dann denke ich, mein ganzes Bett ist voller Keime.

00:04:57: So wie wenn dich mit der Jeans, die du tagsüber anhattest.

00:05:01: In deinem Bett setzen würdest, wo ich auch ausraste, wenn das einer macht.

00:05:04: Erster Gedanke, deine Generation ist verloren.

00:05:06: Ihr seid auf dem Weg gegangen.

00:05:10: Passt schon heute zum Thema.

00:05:13: Zweiter Gedanke ist, ich war jetzt auch überraschend im Hotel, muss ich dir gleich mal erzählen,

00:05:18: dass

00:05:19: ich davon überzeugt bin, dass es... keine null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null, null.

00:05:51: Einmal nach Ghana, weil ich weiß nicht, wie oft du schon in Afrika warst und Ghana ist ja eines der stabilsten Länder nach weißlich und auch politisch stabilsten Länder in Afrika, muss man schon sagen.

00:06:06: Und wenn du dann aus dem Flieger steigst, günstigsterweise dann Lufthansa und fährst mit dem Bus, Zum Hauptgebäude, weil der Bus so ruppig fährt, hältst du dich irgendwann in der Stange fest.

00:06:17: Danach wirst du in Deutschland, du könntest die Haltegriffe ablecken.

00:06:22: Das wird dir nichts mehr ausmachen.

00:06:24: Du bleibst fast kleben, das habe ich da so oft erlebt.

00:06:26: Klar, Luftfeuchtigkeit hoch.

00:06:29: Mit der Hygiene sind sie vielleicht auch nicht ganz so übertrieben wie wir Deutschen.

00:06:34: Also das würde ich mal anbieten.

00:06:36: Also

00:06:37: meins wäre ganz gut, zwischendurch mal abends sich ins Bett zu legen in der Jeans, mit der man den ganzen Tag U-Bahn in Berlin gefahren ist und dann so an den Kanten von seiner Handyhülle langzulecken, um so ein bisschen,

00:06:48: wie heißt denn das Buch noch abzukommen?

00:06:54: wo er doch den Zwang hat, jeden Lichtschalter abzulecken.

00:06:57: Oder wir schenken dir das Buch.

00:07:00: Nicht so hygienisch leben.

00:07:02: Okay, jetzt wird natürlich unser Ex-Gesundheitsminister protestieren.

00:07:05: Aber ja, wir können ja überhaupt froh sein, dass ich hier sitze, mein Lieber.

00:07:09: Es hätte ja alles ganz anders kommen können.

00:07:10: Was ist passiert?

00:07:11: Hast du auch an deiner Handyhülle geleckt?

00:07:13: Du

00:07:13: bist ja noch aus der harten Generation.

00:07:15: Ihr seid ja noch auf dem Nagel geschlafen, bei minus zwanzig Grad draußen und gedacht, boah, ist das warm hier.

00:07:22: Was ist der Grund, dass du

00:07:24: im Schweinestall, weil's ja wärmer war?

00:07:26: Natürlich, ne?

00:07:27: Ja, ich war in Pirna am Freitag.

00:07:30: Pirna.

00:07:31: Das ist zwischen Dresden und dem Ostblock.

00:07:37: Zwischen Dresden und Tschechien.

00:07:39: Da habt ihr eine Gala gespielt und kam nicht wirklich zurück.

00:07:42: Also ich bin morgens früh aufgestanden, mit ihren Zug Richtung Berlin erwischt und dann ging ja nichts mehr weiter.

00:07:47: Am Samstag.

00:07:49: Schneesturm,

00:07:50: Schneesturm.

00:07:51: Und hin und her, hin und her.

00:07:53: Und dann habe ich gedacht, ach, dann geht auch ins Ritz-Galten.

00:07:56: Das ist ein tolles Hotel.

00:07:58: Du bist echt ein knallharter Typ.

00:08:00: Also das ist wirklich da.

00:08:01: Wahnsinn.

00:08:02: Was hast du dann für eine Kissenstärke bestellt?

00:08:05: Ich

00:08:06: hab sie auswechseln lassen.

00:08:09: Und dann hab ich erst gestern wiedergekommen.

00:08:12: Ich weiß, das siehst du jetzt.

00:08:13: Ach so, da rauf hole ich hinaus.

00:08:15: Siehst du, mit Handyhöhlen wird sich beschäftigt.

00:08:18: Das ist doch alles unglaublich.

00:08:19: Aber ich sehe, dass bei deiner Generation, da wird bei so einem Wetter, wird so in Halbschüchen und irgendwelchen Halbs-Nikron-Touren-Schuhen.

00:08:27: wird sich durch den Schneematsch gekämpft.

00:08:30: Und deswegen jetzt die große Frage an dich.

00:08:32: Und da schließt sich der Kreis.

00:08:33: Hast du vernünftige Winterschuhe?

00:08:36: Ja, aber das ist eine viel interessantere Frage, als du vielleicht erstmal vermuten würdest aus meiner Sicht.

00:08:43: Weil ich bin eines der Kinder, dass Elefantschuhe geschädigt ist von seinen Eltern.

00:08:47: Das heißt, meine Eltern haben mich verblüffend lange in Solingen zu Klauserschuhe geschleppt.

00:08:53: Und dann ging es vor allem darum, dass die Füße warm sind, dass die Schuhe groß genug sind, die Zehen Luft zum Atmen haben.

00:09:00: Das sind so Sätze, die sich in meinen Gehirn eingebrannt haben.

00:09:02: Das wurde

00:09:02: alles überprüft.

00:09:04: Und das hat dann so mit siebzehn, achtzehn aufgehört.

00:09:06: Und bis dahin war ich aber wirklich so einer, der auch, weiß ich, ich hab das doch mal erzählt, dass meine Mutter mir als alle Kinder schon einen E-Spec oder so einen coolen Scout, mindestens einen Scout, hatten eher schon vor, okay, E-Spec kam ein bisschen später.

00:09:18: Da hatte ich noch von Greenpeace den irgendwie Fairtrade ganz sozial hergestellten, aber auch entsprechend leider aussehenden Wahlrucksack mit einem großen reflektierenden Blauwahl hinten drauf, das mich bloß keiner umfährt mit seinem Auto.

00:09:33: Lieb gemeint, aber entsprechend war ich dann mit meinen Elfanschuhen dazu, der Oberloser in der Schule.

00:09:38: Und wenn du dann in die Pubertät kommst, also irgendwann dann repelieren kannst dagegen, dann fängst du an, genau mit dem Phänomen, was du gerade beschrieben hast, es ist kalter Winter und ich weiß noch, ich hatte diese... lange drauf gespart, endlich diese neuen Adidas Schuhe mir gekauft und bin damit zur Schule gegangen, obwohl Schnee lag.

00:09:55: Und als ich wieder zurückkam, war meine Mutter so sauer, dass ich diese neuen Sommerschüchen jetzt hier im kalten Winter anziehe und damit durch den Schneematsch lade schon die quasi beim ersten Sp... ersten Austragen kaputt mache.

00:10:08: Und dann, glaube ich, kommt man irgendwann später wieder in so ein Alltag jetzt mit Mitte Ende dreißig, wo du checkst, Mutter hatte recht.

00:10:14: Und jetzt habe ich wieder warme Winterschuhe, wo mir der Style nicht so wichtig

00:10:17: ist.

00:10:17: Siehst du?

00:10:17: Und ich glaube auch, dass so ab Mitte dreißig kommt dir der Gedanke, vielleicht war das gar nicht so schlecht.

00:10:22: Und damit sind wir ja hochaktuell.

00:10:25: Wir haben ja gerade dieses überlebenskritische Wochenende hinter uns.

00:10:31: Ich bin auch wieder endlich zu Hause angekommen.

00:10:33: Ja, aber das sei nur mal bemerkt.

00:10:34: Und das fällt ja vielleicht genau in dem Bereich, dass wir alle die totale Sicherheit wollen, die Handyhülle wechseln, die Jeans ausziehen, sobald wir zu Hause sind und uns mit irgendwelchen Chemikalien abreiben, damit auch die letzten Keime.

00:10:48: siehst du.

00:10:48: Und jetzt kommst du langsam dahin, dass du sagst, nein.

00:10:51: Und deswegen Appell an alle, bevor es jetzt rübergeht, ein solches Thema.

00:10:56: Es ist jetzt Schlussverkauf.

00:10:58: Denkt schon, an nächstes Jahr, an nächstes Saison, kauft euch warme Schuhe.

00:11:03: Das ist der Tipp hier von betreutes Fühlen.

00:11:05: Und da ist mehr Betreuung als Fühlen drin.

00:11:08: Ja, da hat sie super, ganz viel Wert.

00:11:10: Danke schon mal für diese erste Serviceleistung.

00:11:11: Wir haben heute tatsächlich, jetzt gehen wir rein ins Thema, aber noch viel, viel mehr für uns alle.

00:11:16: Es bahnt sich, hatte ich so das Gefühl, ein heftiges Jahr an.

00:11:19: Wir haben im Jahresrückblick noch vom Uf gesprochen, du hast das ein bisschen anders gesehen, aber für mich doch, wenn ich jetzt hier an Venezuela denke und unseren lieben Trump, wie er da vorgeht und was da schon wieder los ist, Berlin ohne Strom, dann das Schneekaus, damit allem, was man noch so aus dem letzten Jahr noch gar nicht richtig... verarbeitet hatte, was ja irgendwie auch noch im Kopf ist, hatte ich gedacht, vielleicht braucht man in dieser Welt, in dem Jahr ist es auch noch mehr als eh schon.

00:11:47: Und da haben wir das große Glück, dass da eine relativ neue Forschungsarbeit, ein Review, rausgekommen ist mit der spannenden Idee vom Resilienz Portfolio.

00:11:58: Und das klingt jetzt so ein bisschen wie Aktien im Kopf, also was soll man sich im Portfolio aufbauen, so nach dem Motto, wenn sie investieren wollen, dann bitte breit gestreut und gucken sie das in verschiedene Asset-Klassen, haben alle diese komischen Finanzsprüche da.

00:12:10: Aber ich fand das hochinteressant mal zu fragen, was ist denn ein Resilienz-Portfolio?

00:12:14: Das gucken wir uns heute an, woher kommt Resilienz, wer hier schon länger dabei ist, dem... dem wird einiges bei diesem Begriff schon so im Kopf klingen.

00:12:23: Wir werden aber auch klären, kann man die aufbauen.

00:12:25: Wen haut es um und wen nicht, wenn es wirklich schwer wird.

00:12:28: Wir reden über ein Superhelden mit Pausenbrot, über Sinn und Glaube und fangen nun jetzt glaube ich mal an mit diesem Paper, mit dieser neuen Arbeit, die die erstmal davon ausgeht.

00:12:38: Das ist drei große Revolutionen in der Psychologie zum Thema Resilienz gab, beziehungsweise daher kommt das Ganze nämlich oder hat viel zumindest damit zu tun in der Traumaforschung.

00:12:50: Und ich darf vielleicht noch mal eben einmal eine Erklärung noch dazwischenhauen, weil dieses Thema uns ja eigentlich schon sechs und ein halb Jahre begleitet Resilienz und jeder liest auch über diese ganzen Zeiträume hinweg von Resilienz.

00:13:04: Was kann ich tun?

00:13:06: Überschriften in kleinen Schritten zu mehr Resilienz und so weiter.

00:13:09: Und du hast es zwar gerade schon gesagt, aber ich möchte es noch mal unterstreichen, dass es vielleicht jetzt auch für uns an der Zeit ist und du hast da eben neues Paper, da nochmal neues Licht wieder drauf zu werfen.

00:13:20: Und darum geht es heute.

00:13:22: Tatsächlich auch mal vielleicht so ein bisschen besser zu verstehen, was kann ich denn in meinem Kopf tun, wenn ich das Gefühl habe, diese Welt gerade oder überhaupt mein Leben verlangt wirklich viel von mir, um zu sagen, ich möchte eine Widerstandskraft, die mir dabei hilft, damit umzugehen.

00:13:38: Das ist glaube ich was sehr wertvolles, das ist was sehr spannend ist und das ist eben aus dieser wissenschaftlichen Sicht total interessant, mal zu gucken, wo kommt das her, was gab es da lange für Missverständnisse und wie können wir vielleicht damit... Ein Stück weit anders umgehen.

00:13:52: Und damit würde ich sagen, rein in die erste Vivala-Revolution.

00:13:55: Was ist denn da lange schief gelaufen?

00:13:58: Und wir fangen mal an mit Trauma und Gewalt, weil wir schon ganz lange aus alten Schriften, aus Bildern, aus Erzählungen in der Menschheitsgeschichte wissen, dass die Menschen vor uns wussten, was für verheerende Auswirkungen ein Trauma haben kann.

00:14:13: Wie schlimm das sein kann.

00:14:15: Demütigung, Schändung, Verletzung, Gewalt.

00:14:18: Es ist alles.

00:14:20: Alles furchtbar.

00:14:21: Und es gab dann auch schon erste Forschungsarbeiten im späten neunzehnten, frühen zwanzigsten Jahrhundert, die sich das Ganze als Problem angeguckt haben.

00:14:30: Da ging es dann vor allem darum, Kinder vor Misshandlung zu schützen oder Gewalt in Frage zu stellen, was bis dahin ja vielleicht eher sowas, was ja auch irgendwie normal ist war oder was man zumindest so hingenommen hat.

00:14:43: Und erst gegen Ende des zwanzigsten Jahrhunderts, was ich interessant finde, weil es ja relativ spät ist, wird dann damit angefangen, so Richtung neunzehntundertsiebziger Jahre mal ganz ernsthaft zu gucken, was sind eigentlich so die systematischen Probleme von Gewalt und Trauma, also mit wissenschaftlichen Standards.

00:15:01: Als man angefangen hat, sich das anzugucken, da wird eine Sache klar, die man bis dahin völlig unterschätzt hat.

00:15:07: Ach, dazu müssen wir mal rein in eine große... der ersten großen Studie, nämlich die National Family Violence Study, die vom Soziologen Mary Strauss geleitet wurde, woraus kommt, dass jedes zehnte Paar berichtet, sich gegenseitig körperliche Gewalt anzutun, woraus kommt, dass die Raten von Kindesmisshandlung, also selbe Studie, bei etwa einer von sechzehn Familien liegt.

00:15:35: Also eine von sechzehn Familien, wo Kindesmissandlungen auftaucht.

00:15:39: Diese Zahlen waren um ein vielfaches höher als die Fälle, die man jetzt hätte erwartet, wenn man sich bei Kinderschützdiensten umguckt oder bei anderen Behörden, wo vielleicht so etwas gemeldet wird.

00:15:49: Das heißt, wir haben jetzt mal eine Studie, die zum ersten Mal so richtig klar zeigt, Leute, da ist viel, viel mehr Gewalt im Verborgenen, als wir erst mal von außen gedacht hätten.

00:15:58: Und da habe ich mich gefragt, da kannst du uns jetzt vielleicht wieder ein bisschen helfen mit dem... Wie sagt man jetzt?

00:16:05: Vorschuss an Erfahrung.

00:16:07: Wie wurde früher auf Gewalt, gerade auch in der Familie, vielleicht auch in der Ehe geguckt?

00:16:12: War das wirklich so anders als wir das heute?

00:16:15: Ja, würde ich schon sagen.

00:16:16: Es war allgegenwärtiger.

00:16:17: Und naja, ich habe jetzt auf deinen Tipp hin nochmal das alles in allem von Simone de Beauvoir gelesen.

00:16:28: Und sie war ja Frauenrechtlerin unter anderem.

00:16:34: Und da habe ich gedacht, na ja, seitdem ist so viel passiert.

00:16:37: und ich weiß, als ich noch jung war, gerade so aus dem Umfeld meines Vaters, mein Vater, ja, ich will jetzt nicht sagen, dass er Feminist war, aber er war schon ein sehr verständiger und fortschuldlicher Mensch in der Beziehung.

00:16:52: Und er hatte aber um sich herum Was weiß ich, Kegelklub und Musiker, andere Musiker, die auch ihre Frauen und Kinder regelmäßig verprügeln.

00:17:01: Und damals gab es einen Hinweis auch an mich, aber nicht von meinem Vater, wer seine Kinder liebt, der verprügelt sie auch.

00:17:09: Das war so dieser alte, wirklich alte Doktrin.

00:17:12: Und unsere Nachbarkinder, die so in meinem Alter ungefähr waren, zwei Söhne, eine Tochter, die hatte eine Peitsche, in der Küche hängen über dem Küchentisch und da hast du wirklich ab und zu Schreie gehört.

00:17:25: Was ich damit sagen will, ist damals war das noch so geläufiger.

00:17:32: Also seit unserer Alkoholfolge weiß ich, dass man hier mal ganz klar sagen muss, wie man das meint.

00:17:37: Ich fand das damals auch schon absolut schrecklich, aber das war so gang und gäbe oder das war in der Schule auch mal vom Lehrer mindestens einen Nackenschlag bekam.

00:17:47: Oder ich weiß, von Herrn Grube gab es auch mal den kompletten Schlüsselbund mitten ins Gesicht gedonnert.

00:17:54: Also da war Gewalt noch mehr Teil des Alltags.

00:18:00: Das habe ich immer schon als schlimm empfunden, aber das war so.

00:18:03: Und dadurch hat man die vielleicht gar nicht so oder viele haben die nicht so als illegal und schlimm empfunden.

00:18:15: Also

00:18:15: die Täter muss man dann sagen.

00:18:17: Die Bewertung, ja.

00:18:18: Und wenn so was heute passieren würde, stellen wir vor, durch das Nachbarn, die ihre Kinder mit der Peitsche verprügeln würden, da wird es doch direkt als Jugendamt anrufen oder zumindest den Nachbarn mal

00:18:28: stellen.

00:18:29: Und deswegen ist die Frage absolut berechtigt.

00:18:32: Ja, total.

00:18:32: Ich denke nur gerade an einen jungen Menschen, den ich vor einigen Jahren, also jetzt, ich sag mal, in unserer heutigen Zeit kennengelernt habe und der mir dann aus seiner Kindheit erzählt hat.

00:18:41: Und der hatte wirklich eine Reihe von ... vom psychischen Problem, jetzt im Heute.

00:18:45: Ja, ja.

00:18:46: Und dann hab ich immer so ging es um seine Vergangenheit, hab ich gefragt, wie war denn deine Kindheit?

00:18:49: Alles super, alles eigentlich schön, toll, klasse Eltern.

00:18:53: Und ich merkte schon, so hier stimmt was nicht, ne?

00:18:56: Ich hab dann erst mal nicht weiter nachgefragt, aber so nach einer ...

00:18:59: Hat er so rumgedruckt oder was?

00:19:02: Nee, noch nicht mal.

00:19:03: Der meinte, nee, das war eine gute Kindheit, alles super.

00:19:05: Und ich hab gedacht, hier irgendwas ... kommt mir komisch an dieser Geschichte vor.

00:19:09: Und ich hab dann das Gespräch lief weiter und nach einer gewissen Zeit hab ich einfach nochmal gefragt, was ist denn Superkind da für dich?

00:19:13: Also, dir ist jetzt nicht irgendwie was angetan worden oder so, ne?

00:19:15: Ist jetzt meine Erinnerung.

00:19:16: Und dann sagte er, ja, also klar, ich wurde schon in mein Zimmer eingesperrt und mit dem Gürtel ins Gesicht geschlagen.

00:19:22: Aber es war eine Superkindheit.

00:19:24: Ja.

00:19:24: Und da lief es mir so kalt den Rücken runter, weil du so gemerkt hast, ne?

00:19:28: Das haben wir hier schon oft besprochen, dieser Wunsch, die eigenen Eltern zu lieben, auch wenn sie sich ganz furchtbar verhalten, dass das, glaube ich, einfach in viel mehr Köpfen... Ja.

00:19:37: drin ist.

00:19:37: Und ich manchmal denke, die Bewertung, du hast es gerade eben so schön gesagt, die Bewertung von außen, wenn du jetzt mitbekommen würdest, deine Nachbarn schlagen, ihr gibt mir der Peitsche, da wäre hier so einerseits die Hölle los, andererseits hört man es immer noch und immer wieder, dass immer noch so viel Gewalt da ist.

00:19:51: Und das schockiert einen heute aber mehr als früher.

00:19:53: Und das war ja eigentlich die

00:19:54: Frage.

00:19:54: Das hätte ich jetzt nämlich auch fragen wollen.

00:19:55: Das würde ich jetzt nämlich auch fragen, war es dann so, wenn dein Vater dann irgendwie von seinen Freunden da im Kegelklub hört, ja am Wochenende ihr wieder richtig mein Kind vermöbelt, dass man das mit so einem Stolz dann fast schon erzählt hat?

00:20:07: Ja, so war es schon.

00:20:11: Also so nach dem Motto... Sie haben ja eben diese Erziehungsdoktrin, ja auch der Nazis übernommen, weil das war ja genau die Generation.

00:20:20: Und denen wurde halt eingetrichtert, wer sein Kind liebt, er züchtigt das auch ab und zu.

00:20:25: Und wenn man sagt, läuft es einem schon mal eiskalt in den Rücken runter.

00:20:29: Aber wir haben uns ja hier schon mal mit den Erziehungsmethoden beschäftigt.

00:20:33: Und man nahm damals an, dass eben eine strenge Erziehung dann auch eine gute Persönlichkeit formt.

00:20:39: Und heute wissen wir, oft ist das Gegenteil der Fall.

00:20:43: Und

00:20:44: das ist vielleicht dann etwas, wo man sich auch vorstellen kann, wenn das Jahrzehnte vielleicht sogar Jahrhunderte lang so gemacht wurde, dann zu sagen, und jetzt gucken wir mal ehrlich hin.

00:20:52: Das kann ja auch ein sehr schmerzhafter Prozess sein für eine Gesellschaft, dass das vielleicht vielen... Nicht leicht fällt, das kann man sich, glaube ich, vorstellen, soll keine Entschuldigung sein, aber zumindest um vielleicht zu verstehen, warum es lange in Deutschland... ... eigentlich keine belastbaren Zahlen gab.

00:21:07: Wir haben dann eine Studie von... ... und die Studie wollte herausfinden, wie häufig erlebenden... ... Menschen in Deutschland traumatische Ereignisse... ...

00:21:26: über

00:21:26: zwei Tausend Fünfhundert Menschen befragt.

00:21:28: Also weggehen von dieser Gewalt, aber traumatische Ereignisse.

00:21:31: Darum geht's.

00:21:32: Ja, warte ab.

00:21:33: Von Teenager bis zum Seniorin.

00:21:35: Und die Liste, das jetzt wichtig, die man den Menschen hingelegt hat mit potenziell traumatischen Ereignissen, die hat sowas genannt wie Opfer einer Vergewaltigung.

00:21:45: oder schwere körperliche Bedrohung oder Angriffe, zum Beispiel mit einer Waffe, Verletzungen oder Folter zu erleiden oder belastende Erlebnisse während eines Kriegseinsatzes zu machen.

00:21:57: Du merkst also, das ist eine Art Punkte, die genannt werden, wo man dann sagen muss, jo, hatte ich oder nicht.

00:22:05: Und das fand ich interessant, weil ... Ich hab mich dann erinnert an eine Situation, ich weiß nicht, ob ich das schon mal erzählt hab, wo, als wir früher diese Studipartys organisiert haben, ich in einem Club war, wo wir eine Party gemacht haben, die war mal Mittwochs, da war noch neunziger Musik für die jungen Leute, das passende.

00:22:21: Und dann war ein Tipp dabei, der hatte so angefangen, Sachen in diesem Club anzuzünden, also hochgefährlich, ne?

00:22:26: Ich bin dann dahin direkt, hab gesagt, was machst du hier, wieso zündest du hier Sachen an?

00:22:30: Und dann nahm der seine Bierflasche völlig unvermittelt aus zwei Metern Entfernung, waren auch, würd ich sagen, halb voll so eine Backflasche, so eine grüne Backflasche, würd ich nie vergessen.

00:22:37: und schmiss die mir mit so einem ausgehoulten Arm von hinten richtig mit Wucht ins Gesicht.

00:22:42: Bin dann sofort in die Knie gegangen.

00:22:46: Ich weiß, dass ich nicht ohnmächtig wurde, aber du brichst quasi zusammen, weil du rechnest dich damit.

00:22:52: Und diese krasse Gewalt dieser Flasche trifft dich auch irgendwie ganz heftig.

00:22:56: Dieser Schockerhof war ich überströmt.

00:22:58: Total, bin raus.

00:22:59: Die haben den Typen dann gekriegt.

00:23:01: Da gab es später auch einen Gerichtsprozess.

00:23:02: Erzähl ich gleich noch was zu.

00:23:04: Aber ich hab mich dann gefragt nach dieser Liste.

00:23:07: wurde ihnen schon mal Gewalt angetan, zum Beispiel mit einer Waffe.

00:23:10: Okay, ja.

00:23:11: Mache ich jetzt ein Häckchen?

00:23:14: Ja, ja.

00:23:17: Ich würde vermuten auch nach dieser Liste würde ich ja sagen, wenn du mich Leon jetzt aber fragst, hat sich das für mich wie ein Trauma angefühlt?

00:23:27: Würde ich ganz klar sagen nein.

00:23:28: Also hast

00:23:28: du schnell abgehakt psychisch?

00:23:30: Total, absolut.

00:23:34: Und das ist vielleicht ganz interessant, weil es in der Psychologie dazu eine Veränderung gab.

00:23:40: Du weißt, dass es so ein dickes Buch gibt, wo die psychischen Störungen drin stehen.

00:23:44: Und in der aktuellen Version sagt man bei einem Trauma, das ausreicht, dass es eine solche Erfahrung gab, zum Beispiel, dass dir Gewalt angetan wurde, und es nicht mehr eine Bewertung von dir dafür braucht.

00:23:58: Früher war nämlich in diesem dicken Buch noch quasi, dass auch gefragt wurde, na ja, wie

00:24:01: stressig, wie

00:24:02: angsteinflößend, wie furchtbar war denn diese Erfahrung für dich?

00:24:06: wo man dann gesagt hat, na ja, Moment, wenn wir zum Beispiel jetzt posttraumatische Belastungssteuerung erfassen wollen, dann können wir doch nicht zur Bedingung machen, dass ein Trauma dann quasi schon nur dann ein Trauma ist, wenn wir das Ergebnis, was wir eigentlich rausfinden wollen, nämlich war das jetzt belastend für dich, ist daraus vielleicht eine Störung entstanden, dass das quasi Bedingung und Ergebnis zugleich sein soll.

00:24:27: Du weißt, was ich meine, so ein Zirkelschluss.

00:24:28: Ja, absolut, mir ist ja was viel, hab ich hier schon mal erwähnt.

00:24:32: In Köln waren steigsteig aus und aus dem Zug, so ein älterer Zug, wo man die Scheiben noch runtermachen kann, so eine Horde junger Männer und einer spuckt mir ins Gesicht.

00:24:43: Ja, hab ich ja hier schon mal erzählt, das ist natürlich körperlich nicht viel passiert, aber das hat mich psychisch wochenlang beschäftigt.

00:24:51: Also müsste ich das auch ankreuzen, ja.

00:24:53: Selbst unter der alten Definition.

00:24:58: Ja, warte, müssen wir uns jetzt fragen, also... Ist das eine schwere körperliche Bedrohung oder ein Angriff?

00:25:06: Ist das Verletzung oder Folter?

00:25:08: Ist das ein, zum Beispiel, belastendes Ereignis wie bei einem Kriegseinsatz?

00:25:14: Ist das wie eine Naturkatastrophe, die ihr erlebt oder wie eine Vergewaltigung?

00:25:18: Da würde ich jetzt, ehrlich gesagt, ein Fragezeichen dran sehen.

00:25:20: Deine subjektive Erfahrung des Ganzen.

00:25:23: Die will ich überhaupt nicht absprechen, nicht falsch verstehen.

00:25:25: Aber die, wer jetzt nach diesem Update eben nicht mehr Teil des Kriteriums für ein Trauma, weil die Forscher sagen, wenn wir Trauma klar definieren wollen, da müssen wir diese subjektive Komponente, wie hat sich das denn für dich angefühlt, daraus nehmen, nicht weil wir die nicht anerkennen.

00:25:40: Das ist absolut Teil des Ganzen, was dann, wenn es um die Störung geht, was das für dich bedeutet, aber nicht als Bedingung dafür, dass etwas ein Trauma ist.

00:25:47: Wollen wir von dir wissen, wie sich das für dich angefühlt hat, sondern da sagen wir, hier ist eine Liste mit Dingen, mit furchtbaren Erlebnissen.

00:25:54: Und wenn davon ein Zutritt, dann sprechen wir von Trauma.

00:25:57: Aber das ist super spannend, dass wir das jetzt schon so besprechen.

00:25:59: Und wir kommen ja auch gleich auf die Resilienz zurück.

00:26:01: Das hängt nämlich zusammen.

00:26:03: Weil man daran ja merkt, was ein Trauma ist.

00:26:06: Das ist nicht in Stein gemeißelt.

00:26:08: Und irgendwie in den Siebzigern, wenn dein Vater da vom Kegelclub kam und dann irgendwer erzählt, dass er sein Kind mit der Peitsche schlägt, hat man vielleicht noch völlig anders auf so etwas gehört, als man das heute tun würde.

00:26:19: Ganz klar.

00:26:19: Weißt du, was ich meine?

00:26:20: Diese psychologischen Definitionen findest du auch ganz viel immer wieder.

00:26:23: Deswegen find ich das so interessant, was sich vielleicht auch in unserer Gesellschaft verändert.

00:26:28: Und

00:26:28: das müssen wir wahrscheinlich jetzt auch mal als Leinwand nehmen für das, was wir... was gleich hier noch konkret gemalt wird, die Bewertung eben und das Empfinden dessen.

00:26:39: Ja, ja, ja.

00:26:40: Deswegen war die Eingangsfrage von dir auch sehr clever, dass du sagst, du hast das Gefühl, das hat sich verändert.

00:26:45: Ja, ganz klares Ja.

00:26:48: Und das ist vielleicht etwas, was wir heute immer wieder... merken werden was uns immer wieder begegnet.

00:26:53: jetzt im lauf der folge.

00:26:55: erst mal aber um diese studie abzuschließen was findet man denn dann mit dieser liste wenn man die den menschen in deutschland gibt also in dieser repräsentativen stichprobe?

00:27:02: das ergebnis etwa ein viertel der befragten berichtet von mindestens einem traumatischen erlebnis.

00:27:08: okay

00:27:08: so und rein nach diesem ich mache in häckchen dran wer ich vielleicht wegen dieser bierflasche die menschgesicht geschmissen wurde auf dieser liste.

00:27:17: interessant war noch das forty zwei Prozent von zwei bis fünf von solchen traumatischen Erlebnissen berichten.

00:27:25: Von diesem Anteil.

00:27:26: Und vier Prozent hatten sogar mehr als fünf traumatische Erfahrungen gemacht.

00:27:30: So, das heißt, fast jeder Vörter hat schon mindestens ein traumatisches Ereignis erlebt.

00:27:35: Das sind in Deutschland hochgerechnet dann knapp einundzwanzig Millionen Menschen, muss man nur ein bisschen aufpassen, aber machen wir jetzt mal so.

00:27:41: Das heißt, die erste große Revolution in dieser Forschung zu Trauma und zu Belastung war, dass man ganz lang, ich fasse mal zusammen, total unterschätzt hat, wie viele Menschen furchtbare Dinge in ihrem Leben erleben.

00:27:56: So.

00:27:56: Ja.

00:27:56: Und das finde

00:27:57: ich sehr interessant.

00:27:58: Man kann ja schon fast von Normalität sprechen.

00:28:01: Ja, das klingt jetzt komisch, aber stimmt.

00:28:04: Und wir gucken uns gleich auch noch mehr Zahlen an, wo das noch mal klarer wird.

00:28:08: Und ich finde das eben hoch interessant, wenn man die Diskussion heute erlebt, die stellen sich doch alle so an oder war doch nicht so schlimm.

00:28:16: Naja, wir müssen uns vielleicht klarmachen, dass wir ganz, ganz lange in unserer Geschichte da vielleicht einfach Sachen abgetan haben, als wir die nicht da, weil wir nicht hingeguckt haben, bis es diese erste große Ja an der stelle wissenschaftliche revolution gab.

00:28:30: und die forschenden von der übersichtsarbeit über die wir heute sprechen die sagen das war eine der wichtigsten.

00:28:35: Transformationen in unserer gesellschaft geleistet durch forschung das das kann man jetzt so und so bewerten.

00:28:42: aber grundsätzlich zu sagen ey.

00:28:44: Da sind Millionen von Betroffenen viel, viel mehr als man lange dachte.

00:28:47: Ja.

00:28:47: Und vielleicht wird es uns gut tun, das Thema anzugehen.

00:28:50: Das finde ich schon auch einen wichtigen Schritt.

00:28:51: Ja, natürlich wird es uns gut tun.

00:28:52: Vor allen Dingen, wenn wir auch... Ich weiß fast jetzt bewusst sehr weit, aber ich will es wenigstens einmal gesagt haben, da müsste man gar nicht groß drauf eingehen.

00:29:01: Vor allen Dingen, wenn man das Suchtverhalten gerade in so westlichen Gesellschaften sieht, also der Alkoholismus und den Griff zu anderen Drogen, das muss ja auch alles Gründe haben.

00:29:13: Ich will das jetzt nicht total in Zusammenhang bringen, weil das ist ja nur eine Vermutung.

00:29:18: Aber ich will unser Bewusstsein appellieren, dass wir daran denken, dass man nicht sagen kann, naja, wir leben ja alle friedlich miteinander.

00:29:26: Viele leben auch ein unglückliches Leben aufgrund ihrer traumatischen Erfahrung, ohne dass groß drüber gesprochen wird.

00:29:34: Und vielleicht auch leben viele von denen, die das damals gemacht haben oder immer noch machen, ein unglückliches Leben.

00:29:42: ... und ertränken mit Alkohol und mit so Gewalt und mit Taten, wo du fassungslos davor stehst.

00:29:50: Sachen, die irgendwie in ihren sind, mit denen sie eigentlich selber gar nicht klarkommen.

00:29:54: Das ist keine Entschuldigung, sondern wie immer in der Psychologie.

00:29:57: Ich will da kein Verständnis färben, sondern ich will versuchen zu verstehen, was steckt dahinter.

00:30:00: Aber das finde ich einen wichtigen Punkt, was du da ansprichst, weil das können wir uns, glaube ich, auch vorstellen.

00:30:04: Viele so Kandidaten, die dann da früher dachten, jo, ich ... Er trinkt meine Probleme im Alkohol und schlagt dann am Wochenende meine Kinder.

00:30:13: Das könnte sogar für dieses Jahr noch mal so ein mitlaufendes Thema sein, dass man immer wieder drüber spricht.

00:30:19: Was macht das langfristig mit uns allen und wo tauchen Symptome auf?

00:30:25: Ja,

00:30:26: das ist ein guter Punkt und bringt uns aber auch in dieser Folge jetzt hier weiter, weil man kann ja fragen, Moment mal, wir wollen über Resilienz sprechen, über das Resilienzportfolio in unserem Kopf, die Widerstandskraft, wenn es psychologisch richtig schwierig wird.

00:30:39: Wieso reden wir jetzt über Trauma?

00:30:41: Aber gehen wir in meinen Schritt weiter, wird das, glaube ich, immer klarer, noch ein bisschen geduld.

00:30:45: Und es ist auch, glaube ich, weiterhin eine total interessante Geschichte.

00:30:48: Die zweite große Revolution könnte jetzt die Überschrift bekommen, ein Fass.

00:30:54: ... im Kopf.

00:30:55: Ja.

00:30:56: Da gab's auch wieder eine erste Veröffentlichung, ... ... die im ... ... Nineteinundundneinzig rausgekommen ist, ... ... wo es um ... ... belastende Kindheitserfahrungen ... ... ging.

00:31:07: Und zwar war hierbei die ... ... große Erkenntnis, ... ... dass viele, viele ... ... Menschen, ... ... wenn man jetzt an Kindheitsbelastung denkt, ... ... noch im Erwachsenenalter, ... ... die Folgen davon spüren.

00:31:20: Also hier hat man jetzt mal eine Studie gemacht, wo ... Auch eine ältere Stichprobe einbezogen wurde im Durchschnitt.

00:31:26: Sechsundfünfzig Jahre, darunter auch Personen im Alter von achtzig, neunzig Jahre.

00:31:31: Bis dahin hatte sich die Forschung, wenn es um Trauma ging, gerade in der Kindheit, eben hauptsächlich auf Kinder und Jugendliche und vielleicht noch auf Studierende konzentriert.

00:31:39: Und das tut dann dazu bei, dass man so diese Auswirkungen davon noch gar nicht richtig verstanden hatte, weil man sich nicht bewusst war, wie viel länger so ein Trauma aus der Kindheit wirken kann, jetzt jetzt einfach nur an Anführlichen über die Jugend oder die Ausbildungszeit

00:31:54: hinaus.

00:31:55: Und was man dann damals findet, ist, dass die meisten Arbeiten sich außerdem auch vor allem auf psychische Phänomene konzentriert haben, wie Depression oder hierherpastraumatische Belastungsstörung oder zum Beispiel auch Substanzmissbrauch, Drogen oder Suizidalität.

00:32:10: Aber Felitti und Kolleginnen und Kollegen, also dieses Forschungsteam, das jetzt hier zum ersten Mal das ganze Ding angeht, die beziehen zum ersten Mal auch Gesundheitsprobleme mit ein.

00:32:19: Zum Beispiel Herzkrankheiten, Diabetes.

00:32:22: Und finden jetzt hier plötzlich, das ist eben vielleicht für viele von uns heute so ein bisschen klar, aber damals war es ganz neu, die finden jetzt wirklich nennenswerte Zusammenhänge zwischen Trauma in der Kindheit und Krankheiten, Schwierigkeiten bei älteren Erwachsenen.

00:32:40: Ganz, ganz wichtig.

00:32:40: Es geht dann sogar noch einen Schritt weiter.

00:32:42: Nämlich viele Studien damals haben die Menschen einfach aufgeteilt in Opfer und nicht Opfer.

00:32:47: Ja, also zwei Kategorien.

00:32:49: Okay,

00:32:50: zwei Kategorien.

00:32:51: Leon hat schon mal gewaltsam eine Flasche ins Gesicht bekommen.

00:32:55: Also Opfer von einer traumatischen Erfahrung.

00:32:57: Punkt.

00:32:58: Und wenn ich diese Flasche jetzt nicht ins Gesicht bekomme, dann wäre ich es halt eben nicht

00:33:02: fertig.

00:33:03: Dieses Forschungsteam fragt jetzt nach ganz unterschiedlichen Problemen im familiären Umfeld.

00:33:08: Und dazu gehört dann eben nicht nur Kindesmissandlungen, sondern auch belastende familiäre Umstände, wie zum Beispiel, dass die Eltern Drogen nehmen oder schwere psychische Erkrankungen haben oder auch die Trennung der Eltern.

00:33:21: Und dieses Forschungsteam hat jetzt also ganz viele von solchen belastenden Erfahrungen zusammengerechnet und sich dann angeguckt.

00:33:28: wie stark Erwachsene insgesamt davon betroffen waren.

00:33:32: Nicht einfach nur hast du einmal was Schlimmes erlebt, sondern gab es vielleicht viele verschiedene schlimme Erfahrungen.

00:33:39: Und dabei zeigt es jetzt etwas, das mittlerweile eben sehr bekannt ist.

00:33:41: Besonders viele negative Folgen treten bei Menschen auf, die vier oder mehr von solchen belastenden Kindheitserfahrungen gemacht haben.

00:33:50: Ach, das ist ja eine Sache.

00:33:51: Das war nicht einfach nur entscheidend, oder?

00:33:53: Ja.

00:33:54: Es war nicht nur entscheidend, ob jemand irgendwie eine belastende Erfahrung gemacht hat, sondern wie viele.

00:34:00: Und das ist vielleicht wichtig, das mal einzuordnen.

00:34:02: Viele, viele Menschen haben wir eben gesagt, machen im Laufe ihres Lebens eine belastende Erfahrung.

00:34:07: Viele, viele Menschen erleben vielleicht sogar ein Trauma.

00:34:11: Aber was dann daraus wird und was das für dich bedeutet, diese eine Erfahrung, Das ist nicht im luftleeren Raum zu betrachten.

00:34:19: Und wir hatten ja im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im August, ... ... im wo man sagt, eine komplexe postraumatsche Belastungsstörung ist eine, die sich entwickelt, wenn man eine Ereignis oder eben eine Reihe von Ereignissen extrem bedrohlicher oder katastrophaler Natur ausgesetzt war, meist langanhaltend, wiederholt, also zum Beispiel Foltersklaverei, langanhaltende häusliche Gewalt, wiederholter sexueller oder körperlicher Missbrauch in der Kindheit, wo uns jetzt klar werden muss, Dein Vater hat dich einmal geschlagen und sich danach entschuldigt und hat es nie wieder getan und hat sich geschämt.

00:35:16: Und sonst war da Liebe.

00:35:18: Versus du hast immer wieder gehört, du bist nichts wert und du wirst immer wieder geschlagen und du wirst erniedrigt und da ist permanente Angst.

00:35:25: Dann wäre zumindest im statistischen Mittel die Wahrscheinlichkeit des dieses immer wieder, dieses wiederholte, komplexe Trauma etwas ist, was mit... brachialeren mit krasseren Folgen im weiteren Leben einhergeht.

00:35:39: Das heißt nicht, dass das einmalige Schlagen von dem Vater, der sonst vielleicht toll ist, nicht auch was total Schlimmes für eine Einzelperson sein kann, aber im großen Mittel ist eben wichtig, dass uns bewusst wird, dass es dieses Anhäufen wie bei so einem Fass im Kopf, wo irgendwann das Ding zum Überlaufen kommt, immer noch ein Schlückchen dazu, dass das eben auch nochmal eine besondere Form ist von Schwierigkeit im Leben.

00:36:01: Absolut, ich hoffe, dass ich richtig verstanden werde.

00:36:05: Der Vater, der vielleicht gerade wirklich extrem unter Stress steht, der eine Tropfen noch fehlt, damit das fast überläuft, der mal die Nerven verliert, der sich hinterher entschuldigt.

00:36:17: Da hast du mitbekommen, als Kind, dass ein Vater auch nur Mensch ist, der mal versagt.

00:36:23: Wirst du aber immer wieder verprügelt, dann ist ja eine andere Motivation dahinter.

00:36:30: Und deswegen kann ich schon verstehen, dass man da unterscheiden muss.

00:36:35: Oh je, ich werde jetzt wieder viele Messages kriegen, aber ich hoffe, es ist trotzdem gut rübergekommen.

00:36:43: Ich glaube, viele Eltern können mich in diesem Moment verstehen, dass man durchaus Momente hat, was nichts rechtfertigen soll, aber durchaus Momente, wo man vielleicht nicht die Tolle Mutter der Tolle Vater ist, sondern wo man am Ende seiner Nerven ist.

00:37:00: Und die Situation ist eine ganz andere.

00:37:03: Ich will es jetzt auch nicht so weit ausbreiten.

00:37:05: Aber wenn du immer systematisch wirklich geschlagen wirst und zu Hause ein unsicheres Umfeld ist, du immer deinen Rade anhaben musst, das ist ja nochmal ganz was anderes als wenn deine Eltern mal ein super schlechter

00:37:18: haben.

00:37:19: Du sprichst da einen Punkt an, der auch hier in der Forschung berichtet wird.

00:37:23: Also es ist ganz, ganz wichtig, diese, das heißt, Adverse Childhood Experience, kurz ACE.

00:37:29: Und daraus kann man dann so ein Wert errechnen.

00:37:31: Ja, ja, ja.

00:37:31: Das hatte ich jetzt eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, sieben oder mehr davon.

00:37:35: Es ist ganz wichtig, das mal einzuordnen, denn so einfach diese Idee ist mit diesem Fass im Kopf, wo die Dosis dann das Gift macht, so sehr vereinfacht das ja auch ein total... komplexe Realität, weil neuere Forschung zeigt, wenn das auch alles immer noch drumherum recherchiert, dass nicht alle belastenden Kindheitserfahrungen gleich schwer wiegen und auch eben nicht unabhängig voneinander, sondern dass es bestimmte Kombinationen gibt, zum Beispiel sexualisierte Gewalt, zusammen mit Vernachlässigungen oder zum Beispiel Armut, die sich dann gegenseitig besonders stark verstärken.

00:38:09: Also zwei Erfahrungen können dann zusammen deutlich schädlicher sein als eine jeweils für sich genommen.

00:38:15: Kann man sich, glaube ich, auch vorstellen.

00:38:17: Und auch noch ganz wichtig, habe ich eben schon gesagt, diese ACE-Werte, die man dann ausrechnen kann, die sind für... bevölkerungsweite Forschung gedacht.

00:38:25: Das ist übrigens oft so in der Psychologie.

00:38:27: Da kann man statistisch errechnen, ah, wenn bei tausend Menschen, die wir befragen, dieser ACE-Wert immer höher geht, also wenn die immer mehr furchtbare Sachen in ihrer Kindheit erlebt haben, dann steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass die später psychische oder körperliche oder Beziehungsprobleme haben.

00:38:42: Aber das ist eben auf keinen Fall möglich, jetzt daraus einfach so für den einzelnen Menschen vorherzusagen oder einzuordnen, wie furchtbar das für diesen einzelnen Menschen war.

00:38:52: Dass dem Vater vielleicht einmal, man sagt das hier dann so beschönigen, die Hand aus Grutsches, nein, dass dein Vater dich einmal geschlagen hat.

00:38:59: Das können wir daraus nicht ableiten.

00:39:00: Und das ist eben ganz, ganz wichtig.

00:39:02: So, kurz gesagt, diese nächste Revolution, diese Adverse Childhood Experience ACE-Studie, das war ein Meilenstein, weil sichtbar wurde.

00:39:12: Wie verbreitet diese belastenden Kindheitserfahrungen sind, wie stark die mit der Gesundheitszusammenhänge, aber es ist jetzt kein Diagnosetool oder so ein Schicksalsrechner, wo du dann irgendwie auskalkulieren kannst.

00:39:21: Alles klar.

00:39:22: Du hattest drei davon.

00:39:23: Damit ist sicher gegeben, dass du später so und so wirst.

00:39:27: Ganz wichtig auch noch fand ich interessant, weil ich glaube, das oft unterschätzt wird.

00:39:32: Etwa zeitgleich zu diesen Studien hat man auch angefangen zu verstehen, dass es eine Polyviktimisierung geben kann.

00:39:39: Klick jetzt ganz sperrig, aber Poli können wir uns, glaube ich, vorstellen.

00:39:41: und Victimisierung opfer.

00:39:43: Ja, glaube ich auch.

00:39:45: Nämlich, dass es Gewalt ja in ganz, ganz vielen verschiedenen Bereichen geben kann.

00:39:49: Also Cybergewalt, institutioneller Verrat.

00:39:54: Gewalt gegen ältere Menschen.

00:39:56: Dann haben wir sowas wie Rassismus, Homophobie, Transfeindlichkeit, Sexismus, Ablesmus, Islamfeindlichkeit.

00:40:01: Wie psychische Gewalt eben,

00:40:04: ja.

00:40:04: wo man lange gedacht hat, wo das lange gar nicht berücksichtigt wurde.

00:40:10: Ich glaube, das ist ganz, ganz wichtig, wenn man sich jetzt fragt, über was reden wir eigentlich, dass uns bewusst sein muss, um wirklich zu verstehen, wie ein Trauma auf dem Menschen wirkt, müssen wir uns heute ein viel breiteres Spektrum an Belastung, an belastenden Erfahrungen angucken, als man das vielleicht früher dachte.

00:40:29: Und dazu gehören eben nicht nur die schwierigen Kindheitserfahrungen, sondern auch, weil sich gerade alles aufgezählt hat.

00:40:33: Mobbing, Gewalt, sexuelle Übergriffe, Stigmatisierung und Co.

00:40:38: Also, wir wissen, wie der kleine Zwischenfahrt sieht, ganz, ganz viele Menschen werden an einer bestimmten Stelle in ihrem Leben zum Opfer.

00:40:48: Und jetzt ist ja die Frage, und du merkst, wir nähern uns der Resilienz immer mehr an, was passiert da mit diesen Menschen?

00:40:54: Wie gehen die damit um?

00:40:56: Und vielleicht auch um das nochmal mit Zahlen zu unterfüttern.

00:40:59: Es gab eine große amerikanische Studie zur Gewalterfahrung von Kindern, wo das Ergebnis war.

00:41:04: Einen Sechzig Prozent der Kinder hatten mindestens eine Form von Gewalt oder Victimisierung erlebt.

00:41:09: Dann gab es eine weitere Studie oder weitere Studien, wo man zeigen konnte mit Jugendlichen und Erwachsenen in den USA.

00:41:15: Da waren die Zahlen dann noch höher, wo achtzig Prozent oder mehr Berichte im Laufe ihres Lebens mindestens eine solche Erfahrung gemacht zu haben.

00:41:22: Dann ging es noch weiter, wenn man jetzt nicht gewaltsame Traumatschererfahrung mit einbezieht, wie z.B.

00:41:27: den Tod eines nahestehenden Menschen, was ja auch total schlimm sein kann, total furchtbar sein kann.

00:41:31: Schäden am eigenen zu Hause, z.B.

00:41:32: durch eine Umweltkatastrophe.

00:41:34: Ob das jetzt ein Schneesturm ist oder ein Tornado, dann steigen die Anteile von Menschen, die so was erfahren haben, Richtung acht, neunzig bis neunneinzig Prozent.

00:41:43: Also das bedeutet, das denke ich auch oft, dass wir nicht unterschlagen dürfen, dass einfach ganz, ganz viele Menschen Furchtbare Erfahrungen in ihrem Leben machen.

00:41:53: Ja.

00:41:54: Ja.

00:41:54: So.

00:41:55: Und das heißt aber nicht, dass man jetzt einfach sagen kann, dass die alle gleich schlimm sind.

00:42:00: Das heißt nicht, dass man sagen kann, ah, deine Erfahrung, die passt ja gar nicht in die DSM-Kriterien eines Traumers.

00:42:05: Deswegen stelle ich doch jetzt mal nicht so an.

00:42:07: Dein Vater hat dich ja nur einmal gestalten, ist nur einmal die Hand ausgerutscht.

00:42:10: Jemand anders musste vielleicht was ganz anderes Furchtbares ausmachen, sondern das hat eben immer auch eine individuelle Komponente.

00:42:17: Und das ist schwer zu akzeptieren, weil wir Menschen es ja so gerne klar hätten und weil wir so gerne sagen würden, ah, da ist jetzt der, der sich anstellt und da ist der harter und der kommt in den Garten, ja.

00:42:26: Wir

00:42:26: würden gerne so eine Skala haben, die für alle gilt.

00:42:31: Aber wahrscheinlich ist es immer auch dieses individuelle Erleben, dieses Eigenes.

00:42:37: Weißt du, für mich war das so, dann bin ich gleich gespannt, was du sagst.

00:42:43: Ich nehme jetzt noch mal diese Flasche und noch mal, ich will das gar nicht so groß aufhängen, weil es für mich einfach nicht so das Thema war.

00:42:47: Ich habe diese Gewalttart erlebt.

00:42:49: Ja, das ist doch super interessant für uns.

00:42:50: Das war ein Interessant für uns.

00:42:52: Ja, der war ungefähr so alt wie ich, der kam dann vor Gericht.

00:42:55: Wir haben uns dann vor Gericht wieder gesehen.

00:42:57: Ich naivig war, bin da ohne Anwalt hin, weil ich mich einfach wie als Zeuge gefühlt habe und gedacht habe, ist doch alles klar hier.

00:43:03: Der hatte natürlich einen Anwalt, aber es war auch irgendwie klar, dass er es war.

00:43:06: Also ich weiß nicht, ob er es zugegeben hat, da erinnere ich mich jetzt nicht mehr dran.

00:43:09: Der wurde verurteilt, der musste zahlen.

00:43:11: So, jetzt fassen wir das Ganze mal aus meiner Sicht zusammen.

00:43:14: Ich erlebe diese Tat und komme dann vor ein Gericht, wo ich ernst genommen werde, wo mir Recht zugesprochen wird.

00:43:21: Das erlebt ja längst nicht jeder auf dieser Welt.

00:43:24: Und auch längst nicht jeder erlebt, dass er irgendwie bei einer Zeugenaussage ernst genommen wird.

00:43:28: Oder dass man ihn überhaupt akzeptiert, wenn er eine Tat an... anmeldet oder anzeigt.

00:43:36: Der wurde dann verurteilt und musste zahlen, habe ich gesagt, dann hatte ich Leute, mit denen ich drüber sprechen konnte, die mich auch ernst genommen haben.

00:43:41: Ich hatte eine besorgte Mutter, die sofort gefragt hat, Jungen, was ist mit dir?

00:43:45: Die war kurz davor, mir neue Elefantschuhe zu bestellen, damit es mir gut ging.

00:43:49: Das heißt, wie wir mit so einer Tat dann klarkommen oder auf welchen Boden, Nährboden die trifft, das ist ja auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

00:43:58: Ja,

00:43:58: ja, ja.

00:43:59: Und das ist mir einfach ganz wichtig.

00:44:00: Das wäre jetzt meine Frage an dich.

00:44:01: Wie war das denn für dich, wenn du jetzt sagen würdest damals?

00:44:05: Ich weiß es nicht.

00:44:05: Vielleicht gab es auch.

00:44:06: Du hast gerade eben von einem Lehrer erzählt, der dir in den Schlüssel ins Gesicht geworfen hat.

00:44:09: Das haben wir hier so einfach vom Tisch fallen lassen.

00:44:12: Wie war das für dich, wenn du so eine Erfahrung gemacht hast?

00:44:15: Ja, jetzt hatte ich ja zu Hause ein sehr liebevolles Umfeld und ein sehr straighten Papa.

00:44:21: Ich erzählte es jetzt einfach mal so, wie es war.

00:44:24: Haltet euch alle fest.

00:44:25: Ich komme nach Hause.

00:44:27: Mein Vater sagt, wieso holst du?

00:44:29: Ich hab sie mir erzählt und er ist direkt mit mir an der Hand wieder in die Schule.

00:44:34: Und er hat den Lehrer durchgeschüttelt, muss man vorsichtig zu sagen.

00:44:42: Der mit dem Schlüssel, oder?

00:44:43: Ja, der mit dem Schlüssel.

00:44:44: Ach echt?

00:44:44: Nie war ich stolzer auf meinen Vater.

00:44:47: Und genau das, was du sagst oder was auch gar nicht mehr so schlimm, weil ja, Papa mein Held ist hingegangen und hat dem Lehrer gesagt, mach das nie wieder.

00:44:59: Und jetzt stellt ihr vor, dein Vater wäre so ein...

00:45:01: Ja, und hätte mir auch noch eine geladen und hätte gesagt, ja, da bist du wahrscheinlich selber schuld.

00:45:06: Ja, genau das.

00:45:07: Ja.

00:45:07: Genau das.

00:45:08: Und deswegen, genau, da ist er richtig.

00:45:10: Und das macht es dann auch nicht so schlimm.

00:45:11: Und du hattest auch schon, als die Flasche in deinem Gesicht landete, hattest du einen Umfeld, die dich in den Arm genommen haben und guckt haben, was passiert ist und so.

00:45:19: Du bist etwas weicher gefallen als vielleicht viele andere in dem Moment.

00:45:23: Ja.

00:45:24: Ja.

00:45:25: So, und da kommen wir jetzt dann... Vollends mit der dritten großen Revolution zu unserer Idee, die wir heute besprechen wollen und dann auch voll in die Resilienz rein.

00:45:36: Aber ich hoffe, es haben alle auch schon gemerkt, was sich da anbahnt, dass es hier die ganze Zeit ein Stück weit um Resilienz geht, weil wir uns ja fragen, was passiert denn, wenn jemand etwas Furchtbares durchmacht?

00:45:45: Und du hinnerst, ich habe schon mal Resilienz so beschrieben.

00:45:48: weil es ja aus der Werkstofflehre kommt, dieser Begriff.

00:45:51: Ich drücke den Schwamm ein und erbiegt sich zurück.

00:45:54: Also es gibt irgendwas Furchtbares, die Gewalt hat, die sexuelle Vergewaltigung, den den schlagenden Vater, was auch immer, dein Schwamm wird eingedrückt und die Frage ist, wie formt er sich zurück?

00:46:08: Die dritte große Revolution beginnt mit einem Pausenbrot ohne Belag.

00:46:13: Da gab es einen... Psychologischen Forscher Norman Gamesi, der war ein Entwicklungspsychologe und Klinischer Psychologe an der University of Minnesota.

00:46:23: Und der hat Tausende von Kindern getroffen über Jahrzehnte hinweg und erforscht, um herauszufinden, was passiert mit Kindern, denen es nicht gut geht, denen vielleicht Schlimmes angetan wird.

00:46:34: Und ich habe dann einem Artikel gelesen, das wohl einen Jung gab, der ihm besonders im Kopf geblieben ist.

00:46:38: Der war neun Jahre alt, hatte eine Mutter mit Alkoholstörung, hatte einen sehr abwesenden ... Vater.

00:46:45: und jeden Tag, wenn dieser Junge in die Schule kommt, hat er das exakt gleiche Pausenbrot dabei.

00:46:50: Zwei Scheiben Brot und nix dazwischen.

00:46:54: Ich stelle mir so zwei weiße labrige amerikanische Toastscheiben vor.

00:46:58: Zu Hause gab es auch kein anderes Essen und vor allem kein, der sich für ihn darum gekümmert hat.

00:47:03: Und trotz allem... So erinnert sich später dieser Forscher Gamesi, wollte dieser Junge unbedingt sicherstellen, dass er jetzt keiner Mitleid mit ihm hat und dass auch keiner so diese Unbeholfenheit, die Schwierigkeiten der Mutter entdeckt, sondern jeden Tag ohne Ausnahme kommt er mit einem Lächeln in die Schule und mit seinem Pausenbrot in seinem Rucksack.

00:47:26: und dieser Junge, der war, so sagt dieser Forscher, Teil von einer besonderen Gruppe von Kindern.

00:47:33: Und zwar die erste Gruppe von Kindern, die dieser Forscher jetzt sichtbar macht.

00:47:37: Der gilt als einer der Urväter der Resilienzforschung, der sagt, guck mal, wir haben hier Kinder, den Furchtbares passiert,

00:47:45: aber

00:47:46: die ihren Weg trotzdem finden.

00:47:49: Und der beschreibt dann eine Szene, fand ich ganz interessant, wo der... Wo der gesagt hat, er kommt in so eine Schule im Rahmen seiner Forschungsarbeit und fragt jetzt, gibt es hier Kinder, die es wirklich schwer haben, die total gestresst sind?

00:48:00: Und dann kann erst mal jeder sofort antworten.

00:48:02: Ja, natürlich, da können wir Ihnen ganz viel hier nennen.

00:48:04: Aber er fragt dann, der Satz ist noch nicht zu Ende, haben Sie hier Kinder, denen es die gestresst sind, denen es schlecht geht, die schwierige Bedingungen haben und die trotzdem zurechtkommen?

00:48:14: Ja.

00:48:15: Und er ist der Erste, der jetzt diese Sichtweise... Ja.

00:48:19: Mal so in den Fokus rückt, der sagt, da gucken wir jetzt mal drauf.

00:48:22: Ja.

00:48:23: Das bedeutet, die dritte große Revolution in der Traumaforschung greift jetzt zum ersten Mal diese Idee von Traumadosis.

00:48:30: Also, sie künft daran an, das, was wir eben hatten, das Fass im Kopf, immer mehr Dosis von Problemen.

00:48:35: Und wendet das Ganze jetzt aber ein bisschen um, dreht das Ganze um und sagt, was gibt denn Resilienz und Teilung?

00:48:41: Also, welche Dosis, wovon auch?

00:48:43: Ja,

00:48:43: ja, wie interessant.

00:48:44: Wahnsinn.

00:48:45: Um trotz solcher Schwierigkeiten... durch mein Leben zu gehen.

00:48:51: Und das finde ich jetzt eine tute, also das einfach muss man sich mal bewusst machen.

00:48:53: Deswegen war mir heute so wichtig, dass wir das mal als Geschichte auch begreifen.

00:48:57: Wo kommen wir her?

00:48:58: Wir haben

00:48:58: doch immer die Frage, mit dem ein Kind hat das was sehr Negatives gemacht, auch fürs Leben.

00:49:07: Das andere Kind, vielleicht sogar Zwillingskind, geht munter pfeifend auf leichten Sohlen durch das eigene Leben.

00:49:16: Ja,

00:49:18: ja.

00:49:18: Ja, und deswegen ist es super interessant.

00:49:21: Jetzt bin ich so gespannt.

00:49:23: Ja, weil man nochmal da vielleicht ja wirklich auch anfängt, ein bisschen besser zu verstehen, was wir eben schon immer wieder hatten, wenn du dich fragst, wieso waren denn Leute so?

00:49:31: Wieso sind vielleicht heute immer noch Leute so, dass du das Gefühl hast, boah, die sind so in dieser Mentalität nur die harten kommenden Garten.

00:49:39: Da das Kind irgendwie mit Züchtigungen oder die Ehefrau gibt es ja auch furchtbar oft, da irgendwie dann ins gute Leben zu prügeln, das gibt es ja einfach immer noch in verdammt vielen Köpfen.

00:49:49: Und da muss uns bewusst sein, dass man das ganz lange überhaupt nicht gecheckt hat.

00:49:53: Und ich weiß jetzt nicht, ob Leute, die so was machen, schon von den drei großen Revolutionen in der Traumaforschung gehört haben oder von A.C.E.

00:49:59: Scores, die man berechnen kann, vermutlich alles nicht.

00:50:03: Und es darf uns ein Stück weit wundern, weil es relativ jung in der Forschung ist.

00:50:06: Aber es gibt jetzt diese Forschung und ... Es ist für mich total interessant.

00:50:11: Also, er sagt dann ganz klar, und es zeigt eben dann noch die Wissenschaft, dass manche Kinder, die sehr viel Gewalt oder Vernachlässigung erlebt haben, sich später trotzdem überraschend gut entwickelt haben.

00:50:21: Und Gamesi dachte jetzt erst mal, das sind Superhelden und Helden.

00:50:26: Er spricht dann von unverwundbaren Kindern.

00:50:28: Und geht davon aus, dass irgendwas in diesen Kindern anders sein muss.

00:50:31: Ist das jetzt die Veranlagung?

00:50:33: Oder ist das deren Temperament, dass die mit so einer Misshandlung besser umgehen können?

00:50:37: So wie dieser kleine Junge, Mit dem Pausenbrot, aber und das jetzt finde ich ganz wichtig, sehr bald gibt es Widerspruch gegen diese Idee.

00:50:47: Also ich will gar nicht in Abredestellen, dass es ganz wichtig war, was er da erforscht hat und dass er losgegangen ist und als erster Mal so den Blick darauf legt, hey könnte es vielleicht Umstände geben, die manche Kinder besonders resilient machen, aber so diese Idee.

00:51:01: dass es an der Superheldenartigkeit des Kindes liegt.

00:51:05: Nämlich, es ist deine individuelle Eigenschaft, deine innere Härte, deine emotionale Stärke, dein Gritt, deinen Durchhaltevermögen.

00:51:12: Das ist ganz problematisch, weil wenn wir so darauf gucken, dann wird Resilienz plötzlich als eine persönliche Eigenschaft verstanden.

00:51:21: Und dann liegt das Scheitern bei dir.

00:51:25: Und das möchte ich einmal mit einem dicken Adding uns alle auf den Unterarm schreiben.

00:51:28: Diese Superhelden und Superhelden.

00:51:30: Das gibt es so nicht.

00:51:32: Das ist ganz gefährlich, wenn wir das denken.

00:51:35: Resilienz ist keine Superkraft und keine feste Persönlichkeit, sondern sie entsteht aus einem Zusammenspiel von unterstützenden Beziehungen, von sicheren Umwelten, von Ressourcen, von ganz normalen Eltern, die vielleicht einfach für dich da sind, sich um dich kümmern von Stärken und die können dann helfen, auch schwere traumatische Belastungen abzumildern.

00:52:01: Also ist es im Prinzip, um hier wieder ein bisschen zusammen zu fassen?

00:52:04: Ja, das muss ich nur mal in der Genße verstehen, ja.

00:52:08: Ganz, ganz wichtig, dass wir klar machen.

00:52:10: Man hat bei der Revolution Nummer eins gesagt, okay, es sind viel mehr Menschen betroffen, als wir bisher dachten.

00:52:14: Dann hat man an der Revolution zwei festgestellt, es ist nicht einfach, in schwarz und weiß zu unterteilen.

00:52:19: Da hat jemand Trauma erlebt und da nicht.

00:52:21: Und deswegen sind die alle mit dem Trauma jetzt, die im Leben nicht mehr klar kommen können, sondern man hat festgestellt, hey, da scheint es schon so ein Adiren im großen Mittel geben zu können.

00:52:30: Dass, wenn ich mehr Schlimmes erlebt habe, dass es eine höhere Wahrscheinlichkeit im Mittel gibt.

00:52:34: dass es dann auch schwieriger für mich wird.

00:52:36: Und der dritte Schritt ist jetzt zu sagen, wir drehen dann daraus um, wenn ich jetzt aber nicht nur viele Probleme habe, sondern vielleicht viele Pluspunkte, ist das dann etwas, was das Schwierige abmildern kann, wo Resilienz draus entsteht.

00:52:52: Also nicht einfach, hey, deine eine Superheldenkraft oder deine eigene Charaktereigenschaft, sondern ein bisschen stell ich mir das vor wie so ein Silo im Kopf, wo du immer mehr Körnchen reinschüttes wie so ein großer großer runder Tank, den man manchmal an Bauernhöfen sieht, wo da vielleicht Kraftfutter drin ist für die Tiere und das ist eben nicht ein Pellet, sondern da kommen ganz viele

00:53:12: rein oder?

00:53:13: So müssen wir es verstehen.

00:53:14: Nicht die eine, wie du gerade sagte, Superkraft, nicht das eine Talent, nicht die eine Entwicklung, sondern eben die Summe dessen.

00:53:24: Ja

00:53:25: oder man könnte jetzt auch sagen, du baust dir ein Resilienz Portfolio auf.

00:53:30: Ich finde das eigentlich ein ganz coolen Begriff, weil es wirklich so ein bisschen, finde ich, an so ein Aktienportfolio erinnert.

00:53:35: Ey, was kann ich da reinholen?

00:53:37: Und den Silo

00:53:38: fand ich auch nicht schlecht.

00:53:40: Silo ist auch okay.

00:53:41: Aber der wissenschaftliche Begriff zu dem Silo wäre jetzt das Resilienz Portfolio.

00:53:46: Und dieses Resilienz Portfolio, das konzentriert sich auf vier Bereiche, die für das Überwinden von einem Trauma besonders wichtig sind.

00:53:54: Und das Forschungsteam sagt wirklich, wir sehen das ganz additiv.

00:53:58: Also einfach immer noch ein Körnchen dazu.

00:54:01: In das Silo nochmal ein Pellet.

00:54:02: Jetzt will ich auch die

00:54:05: vier Pellets mit Kischband oder die vier Briquettes.

00:54:07: Zurecht, zurecht.

00:54:08: Weil es ist ganz interessant, was da passiert.

00:54:10: Das erste ist Sinngefühl, Stärken.

00:54:16: Also man hat sich da verschiedenste Dimensionen angeguckt.

00:54:18: Das ist in so einem Review auch gut, weil die wollen ja alles wissen, was in der Forschungsstadt gefunden hat.

00:54:23: Für mich ist das immer so ein bisschen Alarmglock, weil wenn man sich tausend Dimensionen anguckt, dass dann irgendwann eine rein statistisch gesehen zufällig signifikant wird.

00:54:33: hat eine hohe Wahrscheinlichkeit und dann denkst du, boah, ich hab da den Heiligen gerade

00:54:35: gefreut.

00:54:35: Ja, ja, ja, ja, genau.

00:54:36: Aber in Wirklichkeit ist es einfach, weil du dir tausend Dimensionen anguckst.

00:54:39: Das ist ein Problem, was wir immer wieder in der Forschung haben, so auch hier.

00:54:45: Und trotzdem müssen wir jetzt ja damit umgehen.

00:54:47: Und das hat dieses Review getan, diese Übersichtsarbeit, über die wir heute sprechen.

00:54:50: Und die haben also gesagt, ein großer wichtiger Bereich ist dieses Gefühl von Sinnhaftigkeit.

00:54:58: Und der mit Abstand erfolgreichste Predictor für Resilienz in diesem Bereich, also die haben sich immer so unter Predictoren angeguckt, die dann sagen, klappt das oder nicht, ist dann ein Sinn im Leben.

00:55:08: Sense of purpose heißt das hier.

00:55:10: Ein Sinn im Leben, also etwas zu haben, wofür man lebt.

00:55:14: Das zeigt häufiger als jede andere einzelne Stärke Effekte in der erwarteten Richtung.

00:55:18: Also mehr davon, gleich mehr Resilienz im Leben.

00:55:23: Ja, ja, ja.

00:55:26: Macht das für dich Sinn?

00:55:27: Total.

00:55:28: Das ist genau das, was ich fühle.

00:55:30: Das fühle ich allerdings auch für dich mit und das fühlst du wahrscheinlich auch.

00:55:33: Wir beide haben Glück, dass wir in so einem schönen, behüteten, friedvollen Umfeld aufgewachsen sind.

00:55:40: Das heißt, wir haben doch zu jeder Zeit, wenn du die Augen schließt, lehnt sich zurück.

00:55:45: Da haben wir doch beide immer das Gefühl, ach, Das Leben ist schön.

00:55:50: Ich könnte noch das machen, das machen, das machen.

00:55:52: Und das verstehe ich auch in der Sinnhaftigkeit, eben auch eine gewisse Selbstbestimmung.

00:55:56: Und auch wenn so ein unbekanntes Terrain jeglicher Art in deinem Leben auftaucht, wir sind doch erstmal Typen, die neugierig darauf sind.

00:56:07: Wir schauen noch nicht ängstlich darauf.

00:56:09: Oder meistens wenigstens nicht ängstlich.

00:56:11: Und ja, da ist die Sinnhaftigkeit.

00:56:13: Und das ist auch das, was ich letztens meinte, dass so viele ihr Leben so abarbeiten, die Sachzwänge.

00:56:18: und gar nicht ganz genau wissen, was sie vom Leben wollen.

00:56:21: Und da ist es ja wieder.

00:56:23: Und wenn du eine Sinnhaftigkeit hast und denkst, ach, mal schauen, was wir als nächstes machen und das Leben macht so viel Spaß und es gibt so viel zu lernen, so viel zu entdecken,

00:56:33: wie viel Kraft

00:56:34: steckt da drin?

00:56:37: Da hast du schon mal eine ganz starke Wurzel tief in die Erde.

00:56:40: Ja.

00:56:42: Ja, du hast jetzt uns beide als Beispiel genommen, aber ich nehme mal jemand, der eben ... ... ein traumatischer Erfahrung gemacht, dann nicht nur eine.

00:56:49: Da macht man ja jeden Tag ganz viele, nämlich Eva ... ... Eva Sepischi als Kind in Auschwitz.

00:56:56: Ich bin ja jetzt wieder voll in ihrer ... ... Lebensgeschichte drin.

00:56:59: und diese Szenen, die ... Die wir dann ja da besprechen werden auf der Bühne, das wird auch darum gehen.

00:57:05: Du musst ja so vorstellen, sie kommt nach der langen Fahrt in diesem Vieh-Transport, diesem Zug, wo sie sagt, es stinkt nach Exkrementen, es ist eng, keiner ist da, du bist alleine als Kind in diesem Zug.

00:57:19: Sie hat noch so ein ganz kleines Flächen vom Parfüm von ihrer Mutter dabei und so ein blauen Lieblingsmantel an.

00:57:25: Was ihr beides so viel bedeutet, dann kommt sie an der Rampe in Ausschütz an als zwölfjähriges Kind.

00:57:30: Ihr wird dieser Mantel weggenommen, ihr werden die Haare abrasiert, ihr wird eine Nummer tätowiert.

00:57:34: Sie ist kein Mensch mehr mit Namen, sie ist jetzt eine Nummer.

00:57:39: Und dann nur weil eine Wärterin ihr zuflüstert, dass sie sechzehn ist und kein bisschen jünger, wird sie nicht sofort vergasen und lebt ab dann in diesem Konzentrationslager.

00:57:48: Also wenn wir uns das mal vorstellen, und die Frau kommt daraus.

00:57:52: Sagt ich kann nicht hassen ich wollte lieben und die ist jetzt mit über neunzig Jahren.

00:57:59: In der Bereitschaft zu sagen ich komme hier in eine Halle was ja auch für die aufregend ist auch wenn sie es schon oft gemacht hat aber was auch Kraft kostet.

00:58:07: also was was Energie kostet was was was fragen aufwirft all das komme in eine Halle.

00:58:13: und versuche jungen Menschen meine Geschichte zu erzählen.

00:58:16: Da krieg ich Gänsehaut, weil du einfach merkst, das hat so einen Sinn.

00:58:21: Und das scheint ihr ja auch so ein Sinngefühl zu geben, dass du dann vielleicht sagst, wenn bei allen Widrigkeiten, bei allem, was mir wiederfahren ist, ich für mich einen Sinn in dieser Lebensgeschichte finden kann, dass das ein Pluspunkt ist und ein ganz wichtiger Teil für dieses Resilienzportfolium.

00:58:37: Kopf.

00:58:38: Da denke ich oft dran.

00:58:39: Ja, vor

00:58:39: allem mit

00:58:41: Eva

00:58:41: steht hier ja eine unglaubliche Persönlichkeit auch gegenüber.

00:58:46: Ja.

00:58:48: Ja, aber ich wollte es jetzt gerade wieder viel kleiner machen.

00:58:51: für uns alle, die wir nicht so etwas Krasses, Furchtbares erlebt haben, dass wenn man für sich ein Sinngefühl hat, das passt hier zu einem größeren Ganzen.

00:59:00: Da habe ich mich vielleicht auch mal hingesetzt und reflektiert, was ist denn hier der Sinn für mich?

00:59:03: Das ist ja für sie auch nicht vom Himmel gefallen zu sagen, ich will nicht hassen, ich will lieben, dafür musst du ja was tun.

00:59:09: Da denke ich so ein bisschen, boah, ja, dass sich das zu suchen.

00:59:13: Jetzt spreche ich mal wieder im Aktien-Sprech, ist wahrscheinlich ein gutes Investment in deinem Portfolio.

00:59:20: Ja, ja.

00:59:22: Das im Speziellen, natürlich ist es insgesamt, gutes Investment in dich zu investieren.

00:59:31: Warte, lass mich überlegen.

00:59:32: Achso, Oscar Freit hat es mal gesagt.

00:59:33: Sich selbst so lieben ist der Beginn einer lebenslangen Romanze.

00:59:36: Und das hängt ja damit zusammen.

00:59:38: Eben auch die Selbstakzeptanz, die Selbstliebe.

00:59:43: Ja.

00:59:44: Interessant war, dass Hoffnung auch noch ein ganz wichtiger Predictor ist.

00:59:50: Also eine große Rolle spielt, eng damit verwandt mit diesem Sinngefühl.

00:59:53: Und wir sind jetzt immer noch in diesem größeren, ganzen Sinnbereich.

00:59:57: Da kommt vielleicht für viele auch das Thema Religion auf, Glaube, religiöser Glaube, Spiritualität.

01:00:03: Das ist für viele Menschen auch eben großer Sinn im Leben.

01:00:07: Ja,

01:00:08: und ja wahrscheinlich auch auf den ersten Blick ein großer Puffer sein kann, wenn es hart auf hart kommt.

01:00:13: Bei einer sehr engen Freundin von meiner Mutter erlebt, als es da ganz traurig war, mit Brustkrebs ums Sterben ging, am Ende ans Ende ging, dass sie dann gefragt hat, meine Mama gefragt hat, ob die mal ... ... was so religiöse Bücher mitbringen kann, weil beide meine Mutter und Sieder, glaube ich, ihr Leben lang jetzt nicht wirklich in Bezug zu hatten.

01:00:31: und du merkst es so, sie sucht da jetzt etwas.

01:00:34: Das ist mir sehr im Kopf geblieben.

01:00:35: Aber interessanterweise hier aus der Forschung jetzt ein unerwartet komplexer Zusammenhang.

01:00:41: So schreibt das dieses Forschungsteam.

01:00:43: Weil, können wir uns, glaube ich, auch vorstellen, religiöser Glaubespiritualität kann ganz viele Pluspunkte haben.

01:00:48: Aber wenn das so kippt in Schamgefühle.

01:00:52: Du musst hier den Konventionen entsprechen.

01:00:55: Du darfst nicht trauern, wie du trauern willst, sondern nur, wie wir das vorgeben.

01:00:58: Du darfst nicht sein, wie du bist in deiner Schwierigkeit, sondern du musst hier ins Raster passen.

01:01:03: Dass das dann auch wieder Druck machen kann, ist, glaube ich, vorstellbar.

01:01:07: Da merken wir auch schon wieder, wie individuell das ist.

01:01:10: Und damit kommen wir schon zum zweiten großen Bereich für unser Resilienzportfolio.

01:01:14: Das nennen die Regulationsstärken.

01:01:17: Auch da wieder haben die sich ganz verschiedene angeguckt.

01:01:22: und finden verschiedene Punkte.

01:01:24: Also einmal Emotionsregulation.

01:01:26: Wir machen hier ein Gefühls-Podcast und reden darüber, wie man seine Gefühle vielleicht ein Stück weit für sich nutzen kann, vielleicht auch ein bisschen kontrollieren kann, regulieren kann.

01:01:34: Interessant war hierbei, damit hatten die nicht gerechnet, dass sich um positive Gefühle kümmern, sehr vielversprechend scheint.

01:01:42: Ja.

01:01:43: Also, wenn was Schlimmes passiert oder wenn du das Gefühl hast, die Welt ist so herausfordernd gerade, ne?

01:01:47: All das, was jetzt hier im Jahr ist, schon wieder auf uns einprasselt, all das, was man vielleicht als Päckchen schon seit einigen Jahren mit sich rumschleppt, da wird man ja denken, du musst lernen, mit deinen Ängsten umzugehen und mit deiner Wut und mit deinen Schamgefühlen.

01:01:59: Und das stimmt auch, aber wir sollten nicht unterschätzen, wie wichtig das ist, auch positive Gefühle, also sich auch darum zu kümmern.

01:02:06: Vielleicht, indem man die steigert, weil man sich aufheitert oder weil man es, weil man ... Oder weil man sich mit drum kümmert, eine gute Stimmung aufrechtzuerhalten.

01:02:16: Ja, man kann es ja ganz vereinfachen, dass, wie sagt man so schön, der pessimist hat vielleicht öfter recht, der Optimist hat das schönere Leben.

01:02:25: Und es ist uns beiden ja auch so ein bisschen zu eigen, dass wir eher die positiven Seiten sehen.

01:02:29: Wo alle anderen vielleicht schon sagen, sag mal, das ist ein Wattflieger.

01:02:32: Und dann sagst du, ohne, wieso ist das so schön?

01:02:34: Sondern jetzt Transpiration bei mir.

01:02:38: Ja,

01:02:39: okay, da kam der Komiker jetzt

01:02:40: wieder mit.

01:02:40: Weißt du, was du meinst?

01:02:42: Nein, aber das passt gut, weil die hier auch sagen, Humor, sehr großes Potenzial.

01:02:46: Also auch bei der Regulation von Gefühlen.

01:02:50: Da muss ich, glaube ich, nicht viel zu sagen, da braucht man ja nur dir zuzulernen.

01:02:53: Und interessant war bei...

01:02:54: Ja, Humor... Ja,

01:02:56: bei Coping fand ich noch ganz interessant, dass die sagen, hier war es wieder komplizierter.

01:03:00: Ja, du sagst sofort, ja, hätte ich auch gedacht, boah, ja klar, wenn du Coping-Mechanismen hast, das ist doch toll.

01:03:06: Aber die sagen, hier gab es immer wieder Ergebnisse in die unerwartete Richtung.

01:03:10: Also man denkt erstmal, ja toll, wenn man Coping-Mechanismen hat, also Hilfsmechanismen.

01:03:15: Aber man kann sich, glaube ich, auch vorstellen, will davon besonders viele vielleicht auch so ein bisschen knallhart anwenden, um einfach nur zu funktionieren.

01:03:23: Ja, bis zum Verleugnung, selbst Verleugnung und so, ja.

01:03:27: Selbstbetrug.

01:03:28: Das können wir uns aber alle vorstellen.

01:03:31: In letzter Zeit habe ich mich sehr viel mit radikaler Akzeptanz beschäftigt.

01:03:36: Das passt vielleicht ganz gut.

01:03:39: Das geht Hand in Hand.

01:03:40: Du kannst trotzdem Bewältigungsstrategien haben, obwohl du die Situation radikal akzeptierst.

01:03:50: Wie würdest du das machen?

01:03:52: Du analysierst dich jetzt meinetwegen selbst, dass du sagst, ich trinkt so viel, ich habe zu viel Stress, ich bin in einer unglücklichen Beziehung, dem kannst du dich ja radikal stellen, du kannst aber positiv damit umgehen und sagen, du kannst ja einerseits sagen, oh Scheiße, ich bin verloren, du kannst aber auch sagen, oh, das könnte jetzt ja anfangen von ganz was Schönen sein, wenn ich das löse.

01:04:15: Und das wäre dann eben...

01:04:15: Ja, wenn ich akzeptiere, dass es da ist.

01:04:17: Wenn

01:04:17: du akzeptierst, dass es da ist, verfällt es aber dann nicht in so ein Pessimismus.

01:04:26: Aus mir wird sowieso nichts mehr.

01:04:27: Ich stecke in der Scheiße, komme nie wieder raus, sondern das ist eben positiv für dich.

01:04:31: Und das wäre ja für mich dann ein gutes Coping, dass du sagst, jetzt gucken wir erst mal, was ich habe und jetzt gucken wir, was ich draus mache.

01:04:38: Ja.

01:04:39: Ich denke sofort an unsere, ich habe gerade noch mal nachgeguckt, Folge mit Marschaline Hahn, die am dreizehn Februar vierundzwanzig rauskam, innere Widersprüche lösen.

01:04:49: Sie hat das ja eingebracht, diese radikale Aktien.

01:04:51: Das ist so

01:04:51: faszinierend.

01:04:52: Das ist

01:04:52: das, was du gerade beschreibst, finde ich auch.

01:04:55: Kann ich auch an dieser Stelle noch mal alle auffordern, sich da noch mal mit zu beschäftigen.

01:05:00: Vielleicht machen wir es demnächst auch noch mal, weil es ist so faszinierend.

01:05:05: Aber ich will das jetzt auch nicht ausfahren, um Himmels willen.

01:05:07: Ja, aber du hast ja gesagt, Coping kann gut, kann auch schlecht sein.

01:05:12: Die dritte große Dimension sind dann zwischenmenschliche Stärken.

01:05:16: Ja, da kann man sich, glaube ich, vorstellen, dass soziale Unterstützung ein Bereich ist, den man sich sofort und schon lange in der Forschung anguckt.

01:05:24: Allerdings war das früher so ein bisschen mit der Gießkanne, dass man eher so gefragt hat, ja, okay, wie viele Freunde haben Sie denn?

01:05:30: Und dann sind Sie da gut angebunden.

01:05:33: Interessanter wird es eigentlich, wenn man mal auf die Qualität dieser zwischenmenschlichen Beziehung guckt.

01:05:38: Das trifft nämlich eher auf ein bestimmtes Maß an sozialer Unterstützung zu, dass es da einen positiven Zusammenhang gibt zu unserem Resilienz-Portfolio, was wir hier gerade ausstücken wollen, wo wir investieren wollen.

01:05:49: Genau.

01:05:50: Also wenn ich jetzt... Mir vorstellt, ich habe ein Netzwerk, das hilfreich ist, die im Bedarfsfall da sind, die mich wirklich unterstützen.

01:05:58: Toll.

01:05:59: Aber wenn ich einfach nur frage, haben Sie viele soziale Kontakte und jemand sagt, ja, dann könnt man ja auch erst mal denken, ist positiv.

01:06:05: Was fand ich ganz interessant, dass dieses Forschungsteam sagt, ja, Moment mal, was ist jetzt aber, wenn wir uns einen Jugendlichen vorstellen, der vielleicht in so einer Gängerin ist, die mit Drogen dehlen und gewaltsam sind, und dann hat er da zwar viele soziale Kontakte, aber die sind total negativ.

01:06:16: Ja, der sagt, ja komm, komm,

01:06:17: komm, komm, komm, komm, komm, komm, komm, komm, komm,

01:06:18: komm, komm,

01:06:18: komm, komm, komm, komm, komm, komm, komm, komm, komm, komm, komm, komm, komm, komm, komm, komm, komm, komm,

01:06:21: komm, komm, komm, komm, komm, komm, komm, komm.

01:06:22: Ja, genau, genau.

01:06:22: Was ist, wenn du der bist, der da immer in der Schule irgendwie in so einer Klicke ausgenutzt wirst und weil du aber irgendwie dazugehören möchtest, dich dann da irgendwie versuchst, trotzdem dran zu klammern.

01:06:33: Dann hast du vielleicht viele soziale Kontakte, die sind aber total ungünstig für dich.

01:06:38: Das zeigt, finde ich auch und das merkst du immer wieder, wenn wir hier über dieses Thema sprechen, dass es schwierig ist, dieses eine Patentrezept zu finden.

01:06:46: So machst du dein Silo sicher voll.

01:06:49: Wir können aus großen Zusammenhangsstudien zum Teilhäuse- und Experimentalstudien, bestimmte Ideen ableiten, aber dann wirklich zu sagen, hier ist das eine Rezept für Resilienz, da sind wir nicht.

01:07:02: Das kann auch nicht

01:07:03: so sein, weil einfach zu viele Parameter mitspielen.

01:07:09: Das

01:07:09: ist dann natürlich wie immer die Krux bei der Psychologie.

01:07:13: Du kannst immer wunderbaren psychologischen Debatten am Ende sagen, sehr individuell.

01:07:17: Ja, Punkt, Ende.

01:07:18: Und dann hat aber mein tolles Fachpsychologie, du weißt, ich kritisiere da viel dran, alles geliefert und nix.

01:07:25: Dann haben wir riesenhafte Gruppenzusammenhänge und müssen in jedem zweiten Satz aber dazusagen, Vorsicht ist aber auch individuell und so richtig was daraus sagen können wir trotzdem nicht.

01:07:33: Ja, aber das macht mich auch frustriert.

01:07:35: Diese Wissenschaft macht auch den Reiz auch

01:07:37: so faszinierend, weil du ja immer wieder neue Steine hast, die du hochheben kannst.

01:07:42: Und das fasziniert dich ja eben auch.

01:07:44: Genau wie du sagst, einerseits kritisierst du das, andererseits fasziniert dich das unheimlich.

01:07:49: Und dann gibt es immer mal wieder neue Steine, neue Forschung und die sagen, Moment, das haben wir noch nicht bedacht.

01:07:55: Und das ist doch absolut super spannend.

01:07:58: Und das ist doch vielleicht auch was, wo man sagen kann, bei allerberechtigten Kritik, stell dir mal vor, da wäre nicht jemand in den siebziger Jahren auf die Idee gekommen, mal zu fragen, hey, wir gucken jetzt mal wirklich hin, wie viel Trauma, wie viel Gewalt gibt's denn?

01:08:10: Stell dir vor, da wäre nicht im zweiten Schritt mal jemand auf die Idee gekommen, zu sagen, ey, aber gibt's denn wirklich nur A und B?

01:08:18: Opfer oder nicht Opfer?

01:08:19: Oder müssen wir nicht mal fragen, was passiert, wenn jemand so viele furchtbare Sachen erlebt hat, dass wir vielleicht von einer komplexen Posttraumatschenbelastungsstörung sprechen wollen?

01:08:28: Oder wenn es nicht so ein Forscher gegeben hätte, der gesagt hätte, Psychologe übrigens, da gibt es den Jungen mit dem Pausenbrot.

01:08:34: Was läuft bei dem anders?

01:08:35: Also so viel man kritisieren kann, gibt es eben, finde ich, gerade wenn man so in der Geschichte mal zurückguckt, auch an ganz vielen Stellen, was man sagen muss.

01:08:43: Danke, Psychologie, obwohl du viele Schwächen hast.

01:08:46: Ja, so.

01:08:47: ich wollte aber noch eine Sache hier sagen zu diesen sozialen, zu diesen zwischenmenschlichen Beziehungen, die bestimmt ein wichtiger und toller Teil von unserem Portfolio der Resilienz sind.

01:08:56: Unerwarteter, komplexer Zusammenhang war wieder bei Freundlichkeit.

01:09:00: Da gab es mehrere Datensätze, die zeigen, dass es in die erwartete Richtung geht.

01:09:04: Wenn du besonders freundlich bist, super, das ist toll für deine Resilienz.

01:09:08: Aber teilweise ging es auch in die andere Richtung.

01:09:10: Mit der Erklärung, na ja, wenn du viel Freundlichkeit aufbringst, dann ist das was vielleicht was aus deinem Silo eher so ein bisschen Kraftfutter kostet.

01:09:19: Du willst

01:09:19: besonders nett sein, dann bist du vielleicht irgendwann so der Peoplepleaser, der sich nicht mehr um sich selber kümmern kann, weil er die ganze Zeit damit beschäftigt ist, anderen gegenüber die größtmögliche Freundlichkeit aufs Tapé zu bringen.

01:09:31: Ja.

01:09:31: Weißt du, was ich meine?

01:09:32: Total.

01:09:33: Das haben wir, glaube ich, auch schon oft erlebt, oder nicht?

01:09:35: Also ich habe schon oft Leute erlebt, denen es nicht gut ging.

01:09:38: Und du hattest das Gefühl, die sind jetzt noch doppelt und dreifach nett.

01:09:41: Das fand ich hochinteressant.

01:09:42: dieses Jahr, als ich zu den sogenannten hochfunktionalen Depressionen gedreht hatte, ne?

01:09:49: Da sagte mir einer von diesen Professoren, werde ich nie vergessen, oder Professoren war es, glaube ich, dass viele, viele Menschen, die so eine Depression haben, wo sie gerade nach außen noch so super funktionieren und ihre Leistung abliefern, dass sie total Schwierigkeiten haben, nein zu

01:10:03: sagen.

01:10:04: Ja.

01:10:05: Und das ist mir so im Kopf geblieben.

01:10:06: Da habe ich so einen engen Freund von mir gedacht, wo ich jetzt im Rückblick denke, shit, wenn ich das damals schon gewusst hätte, hätte ich das viel besser berücksichtigen können, dass der vielleicht dann bei Sachen Ja sagt, obwohl sie ihm eigentlich nicht gut tun oder eigentlich für ihn schon zu viel sind und man von außen denkt, ja, er hat ja Ja gesagt.

01:10:21: Das ist dann vielleicht genau diese Freundlichkeit, die für ihn dann eher eine Schwierigkeit war als ein Pluspunkt in seinem Resilienz-Portfolio.

01:10:29: Ja, ja.

01:10:30: Kann ich direkt mitfiebern.

01:10:35: Ja.

01:10:36: Und der letzte Bereich, der der neueste Bereich auch in der Forschung ist, lange übersehen, wieder so ein Punkt, wo sich es dann doch auch weiterentwickelt, das sind Umweltstärken.

01:10:47: Also dazu zählen sowohl die natürliche als auch die vom Menschen geschaffene Umwelt.

01:10:51: Der gab es bislang vor allem einen gut belegten Schutzfaktor, einen Pluspunkt, nämlich Kontakt zu grünen Räumen.

01:10:58: Also Zugang zum Park, Gärten, Wälder, Gewässer.

01:11:02: Wir haben ja letztens diese Folge gemacht, wo wir uns mit diesen indigenen Perspektiven

01:11:08: stückweit

01:11:08: beschäftigt haben von den Anischen ab.

01:11:09: Nähe zur Natur,

01:11:12: ja.

01:11:12: Ja, das ist etwas, wo ich so, wo man vielleicht von außen erstmal denkt, hey, was soll das jetzt mit Resilienz zu tun haben?

01:11:17: Aber wenn ich mir vorstelle, ich habe im Silo, in das viele Pluspunkte kommen.

01:11:21: Ich will mein Portfolio gut ausstatten.

01:11:24: Dass man dann sagt, ey, das ist nicht einfach nur ein Verschicht in deinem Kopf oder in deinem sozialen Umfeld, sondern es hängt auch davon ab, wie du so dein Leben drumherum gestalten kannst und hast du jetzt die Möglichkeit, in einen Park zu gehen.

01:11:36: So klein das klingt.

01:11:36: Ja, mein Reden.

01:11:39: Bist

01:11:39: du draußen in der Natur geht das?

01:11:41: Ja,

01:11:41: ja.

01:11:41: Hast du schon mal ein Baum umabend.

01:11:42: So wichtig scheint es zu sein.

01:11:44: So verrückt sich das anhört.

01:11:45: Aber mach's doch erst mal, bevor du es verurteilst.

01:11:48: Ja.

01:11:49: Ja.

01:11:50: Ja.

01:11:52: Also ich fasse zum Schluss nochmal zusammen,

01:11:55: diese

01:11:58: neue Arbeit sagt sehr klar, wir haben vielleicht viel zu lange übersehen, dass die Stärken eine ganz wichtige Rolle spielen.

01:12:07: Ja es ist wichtig sich anzugucken, was gab es an Trauma, was gab es an Schwierigkeiten, was gab es an großen Herausforderungen, aber die gehen sogar so weit, dass die sagen in manchen Bereichen ist es wichtig, also zumindest statistisch gesehen, erklärt es mehr, wenn wir uns angucken, was hat die Person in ihrem Silo an Pluspunkten, als nur nach den Minuspunkten zu

01:12:25: fragen.

01:12:26: Ja, ja.

01:12:26: Und das ist was, was, ich glaube, hochinteressantes, was wir vielleicht in Zukunft noch viel mehr stärken müssen.

01:12:32: Was ich mir für uns alle wünschen würde, gerade dann, wenn du merkst, es wird schwierig und hart zu fragen, wo kommt die Schwierigkeit her?

01:12:41: Was sind da die Belastungspunkte?

01:12:42: Wo ist vielleicht das Trauma, das Furchtbare?

01:12:45: Aber eben den Spieß auch umzudrehen und zu fragen, was kann ich in mein Silo kippen?

01:12:48: Wir haben uns vier große Bereiche gerade eben angeguckt, nach den drei großen Revolutionen, also wirklich eine Folge packt mit Infos heute.

01:12:57: Das war einmal dieses Sinngefühl.

01:12:59: Das waren die Regulationsstärken, zum Beispiel sowas wie Coping oder positive Emotionen, Stärken.

01:13:06: Das waren dann die zwischenmenschlichen Beziehungen.

01:13:09: Und zum Schluss haben wir über die Umwelt stärken gesprochen.

01:13:12: So klein das klingt.

01:13:13: habe ich vielleicht Zugang zu Natur um mich herum als ein Punkt, der da eine Rolle spielt.

01:13:19: Sehr, sehr interessant.

01:13:20: Hammer.

01:13:21: Und vielleicht noch einmal für alle, die jetzt da sitzen und sagen, naja, könnt ihr mir denn jetzt aber eine Sache sagen, wie ich resilienter werde?

01:13:28: Wir haben ja schon mal eine Folge zur Resilienz gemacht, könnt ihr gerne in die Show notes gucken, wenn ihr nochmal reinhören wollt.

01:13:32: Und damals haben wir auch mit Dr.

01:13:34: Isabella Helmerich gesprochen vom Leibniz Institut für Resilienzforschung.

01:13:38: Und die hat das nochmal ganz klar gesagt, ist das jetzt eine Charaktereigenschaft, wie zum Beispiel ich bin Schüchtern und sie sagt, nein, es ist wissenschaftlich gut abgesichert, dass Resilienz eine veränderbare... Und erlernbare Fertigkeit ist eher vergleichbar mit, so sagen wir mal, der Fertigkeit zu schwimmen statt unterzugehen.

01:13:55: Und du kannst was dafür tun und du kannst sie trainieren.

01:13:58: Und trotzdem sollten wir nach allem, das ist jetzt wieder mein Punkt, was wir heute beschrieben haben, nicht denken, ah ja, dann bist du es halt selber schuld, wenn du struggles und nicht klar kommst, nein.

01:14:08: Da haben wir jetzt bitte auch dieses Fass im Kopf vor Augen, wo einfach klar sein muss, für manche sind die Belastungen so groß oder da ist so wenig im Portfolio, was dann helfen kann, dass die es einfach viel schwieriger haben, eine Resilienz aufzubauen und nach einer Schwierigkeit, um das Bild vom Schwamm nochmal zu benutzen, sich sofort wieder zurechtzufahren.

01:14:30: Ja, vielleicht ist das ganz gut, dass du nochmal Training dazu gesagt hast.

01:14:34: So, dem einen fällt es leichter, dem anderen schwerer.

01:14:38: Die von uns hoch verehrte und geliebte Sophie Passmann hat an seiner Challenge teilgenommen.

01:14:44: Sie sollte wenigstens einen Klimmzug schaffen.

01:14:47: Ich glaube, Joko Winterscheid hatte ihren Trainer zur Verfügung gestellt für fünf, sechs Wochen für einen Klimmzug.

01:14:53: Und er hat gesagt, für jeden mehr spende ich irgendwo fünftausend Euro.

01:14:58: So und Sophie hat nie diesen einen Klimmzug geschafft, trotz intensiven Trainings.

01:15:05: Und anderen fällt es halt leichter.

01:15:06: Dafür fallen ihr andere Sachen leichter.

01:15:09: Also ich mach's jetzt grad so profan und natürlich auch so ein bisschen... ...suffisant, damit wir alle verstehen, dass eben dieses Training nicht allen leicht fällt und einige vielleicht auch nicht so viel... ...Voraussetzung dafür mitbringen und sich da mühsam inkwellen müssen.

01:15:28: Was ist das Bild?

01:15:30: Ja, ich frage mich das gerade.

01:15:31: Ich hab da noch gar nicht darüber nachgedacht, aber ich hab hier auch noch einen... Punkt dick auf dem Zettel stehen, der mir ganz wichtig ist.

01:15:37: Wir haben jetzt hier heute die Resilienz so gefeiert und gesagt, boah, ist das toll.

01:15:40: Und du hast jetzt gerade nochmal eine Metapher gebracht, für wie unterschiedlich man da ist.

01:15:44: Aber ich hab hier noch stehen, ist denn mehr Resilienz immer besser.

01:15:49: Und da ist ein ganz wichtiger Punkt aus der aktuellen Forschung, dass das Resilienz auch eine dunkle Seite haben kann.

01:15:54: Manchmal heißt das nämlich, dass es einem gar nicht gut geht, sondern dass man einfach nur irgendwie funktioniert, oft in Systemen.

01:16:02: Die einen eigentlich krank machen.

01:16:03: aber

01:16:03: ist man dann wirklich.

01:16:04: also

01:16:04: das heißt.

01:16:06: Na ja sagen wir mal du wie willst du Resilienz messen funktionierst du kommst du klar sagst du ja ja passt schon alles lieferst du deine Leistung ab?

01:16:14: wenn das ein Teil davon ist und das ist es dann muss man ja sagen dass sich Menschen vielleicht an Belastungen anpassen und mit denen irgendwie klar kommen die sie eigentlich gar nicht aushalten sollten.

01:16:23: an Gewalt, an Armut, an Diskriminierung oder chronische Unsicherheit.

01:16:27: Jetzt komme ich noch mal kurz zu deinem Bild mit dem Klimmzug.

01:16:29: Man hätte ja jetzt sagen können, boah, wäre das toll gewesen, wenn man da, obwohl es einem total schwer fällt, mit noch so viel Training oder irgendwelchen absurden Methoden am Ende dann einen, zwei, drei, vier, fünf Klimmzüge aus sich rauspresst.

01:16:41: Man könnte auch andersrum sagen, boah, ist das stark oder weiß ich es nicht.

01:16:44: Ja, absolut.

01:16:44: Weil ich habe das nicht verfolgt.

01:16:46: Wenn du sagst, Ey, schaffe ich nicht, packe ich nicht.

01:16:49: Richtig.

01:16:49: Das ist okay.

01:16:50: Ja, das ist es ja.

01:16:52: Das ist auch am Ende okay fand.

01:16:54: Und es ist auch okay, weil so viele tolle Fähigkeiten, das doch da fünf Klimmzüge zu schaffen, für sie überhaupt keine Relevanz hat.

01:17:03: Ja.

01:17:04: Ganz wichtig.

01:17:05: Und das sagt auch dieses Paper zum Schluss.

01:17:07: Es gibt eben auch so etwas wie zu viel oder falsche Resilienz, zum Beispiel, wenn du hast eben Optimismus nur kurz angesprochen, da sagen die Forscher in Vorsicht, wenn der ja

01:17:14: realistisch wird.

01:17:16: Wie schließe über mich?

01:17:18: Nein, nein!

01:17:22: Bei dir klappt das, aber bei vielen, vielen, vielen vielleicht nicht.

01:17:25: Und das finde ich, muss man auch dazusagen.

01:17:26: Und auch wenn Menschen Wahnsignale übergehen oder wenn eine Anpassung dann langfristig so der eigenen Gesundheit schadet, muss uns einfach sein.

01:17:34: Vielleicht die zentrale Botschaft hier.

01:17:35: nochmal zum Schluss.

01:17:36: Nicht jede Anpassung ist automatisch gesund und nicht jede Form von Resilienz ist funktioniert.

01:17:42: Ja,

01:17:42: es ist vielleicht auch ein guter Punkt, dass Resilienz ist nicht zu hundert Prozent positiv und

01:17:48: heilig.

01:17:48: Also man muss fragen, wer passt sich woran an.

01:17:51: Genau und auch zu welchem Preis.

01:17:53: Also auch Fazit und komplette Zusammenfassung.

01:17:57: Ich finde das glaube ich ganz gut, wenn wir in Zukunft immer mal so am Ende nochmal Wirklich für uns alle sagen, was nehmen wir denn mit?

01:18:03: Resilienz ist keine Superkraft, sie ist kein Persönlichkeitsmerkmal, dass man entweder hat oder nicht.

01:18:07: Die Forschung zeigt uns was anderes.

01:18:10: Die meisten Menschen erleben im Laufe ihrer Zeit irgendwas Belastendes, oft sogar sehr Belastendes.

01:18:16: Und trotzdem kommen die meisten danach ganz gut klar.

01:18:19: Das liegt aber jetzt nicht daran, dass sie ihr Trauma irgendwie stärker gemacht hätte, sondern oft an Ressourcen wie Sinn.

01:18:26: Regulation von Gefühlen, gute Beziehungen, einen Zugang zu einer Umwelt, die vielleicht gut tut.

01:18:32: Und genau dieses Bild beschreibt eben das Resilienz-Portfolio, über das wir heute gesprochen haben.

01:18:36: Es ist nicht die eine richtige Eigenschaft, sondern es sind ganz viele Dinge, ganz viele Kraftfutter, dass da zusammen in dieses Silo geworfen wird.

01:18:44: Und vielleicht hilft dann am Ende ein Perspektivwechsel, statt zu fragen, warum sind manche Menschen resilient oder nicht resilient genug?

01:18:50: Könnte man fragen, was brauchen Menschen, um gut zu leben und heilen zu können.

01:18:55: Ja, ja.

01:18:56: Das fände ich eigentlich ganz schön.

01:18:58: Das ist echt ein guter Gedanke.

01:18:59: Mit dem sollten wir in die Woche... Eine

01:19:00: Forschung hat das mal... hat das mal Ordinary Magic genannt, die normale Magie.

01:19:05: Und Julia, die Redakteurin, mit der ich hier das alles recherchiert und vorbereitet habe, die sagte, da läuft sie so ein bisschen kalt in den Rücken runter, weil sie eben ganz oft in klinischen Situationen mit Menschen zu tun hatte, die ihnen ein Trauma erlebt haben und denen ist ganz, ganz schlechter.

01:19:17: Und ich hatte das ja zumindest in Interviews auch immer wieder.

01:19:19: Und denen dann zu sagen,

01:19:20: ja, ja, ja, das

01:19:21: ist nur ganz normale Magie, dass du damit jetzt klarkommst, das macht es so klein.

01:19:25: Aber gleichzeitig denke ich, wenn man diesen Menschen die Message gibt, es ist unmöglich und du musst der Superheld sein, um es überhaupt zu schaffen.

01:19:31: oder du brauchst die ganz große Magie, dann macht es einem das ja auch sehr, das nimmt einem vielleicht Hoffnung, das macht es einem total schwierig.

01:19:39: Ich glaube schon, das ist eine gute Botschaft für uns als Menschen, als Gesellschaft ist, wenn man hört, die allermeisten kommen trotz krasser Schwierigkeiten resilient durch ihr Leben und die bei denen das nicht klappt, da können wir nicht mit dem Finger kommen und sagen, du hast diese eine Sache falsch gemacht, du bist der Verlierer oder der Loser, sondern wir haben jetzt heute verstanden, aus wie vielen Teilen sich Resilienz zusammensetzt und könnten dann ja vielleicht eher fragen, Was können wir denn, als dein Umfeld, als deine Umwelt, als deine Gesellschaft tun, um dir ein paar Kraftfutter-Palettes in deinem Silo mitzugeben?

01:20:09: Ja,

01:20:09: lass uns bei den Palettes bleiben und...

01:20:12: Okay, die Palettes, ich hab schon gemerkt, das gefällt dir besser als das Resilienz-Portfolio.

01:20:17: Nein, ich wollte auf dem abschließenden Satz hinaus, dass man eben sagt, da gibt's gar ein Patentrezept, aber wir haben heute gehört, dass die Forschung da viele... Punkte nochmal beleuchtet hat mit allen Vor- und Nachteilen und deswegen gefällt mir Pellets so gut oder von mir aus auch Mosaik-Steinchen, dass man sowas eben zusammensetzen kann.

01:20:41: Und dass du nicht sagen kannst, ich bin halt kein resilienter Typ, du bist ein resilienter Typ, das gibt es nicht.

01:20:47: Lass uns trainieren und versuchen, möglichst zufrieden dahin zu kommen.

01:20:54: breites Portfolio aufzubauen für die ETF-Trader da draußen.

01:20:57: Atze.

01:20:58: Dann sei herzlich umarmt.

01:21:00: Ach, eine ein, aber das muss ich dir noch sagen, eine bitte an alle auch.

01:21:03: Unbedingte Cook-Empfehlung, die Minentaucher in der ARD-Mediathek.

01:21:08: Eine Doku, ich glaube, es sind am Anfang irgendwie zwanzig Leute oder sowas, die Minentaucher werden wollen.

01:21:13: Ungefähr das kasseste Ausbildung bei der Bundeswehr überhaupt.

01:21:17: Begrüßung vom Ausbildungsleiter.

01:21:19: Sie machen ab heute alles im Laufschritt.

01:21:21: Sie gehen im Laufschritt zum Essen, sie gehen im Laufschritt runter zum Hafen, sie gehen im Laufschritt zu den Trainingseinheiten.

01:21:26: Nur nach dem Essen dürfen sie langsam gehen.

01:21:28: Und dann siehst du nächste Szene, ab da was Laufschritt bedeutet.

01:21:31: Die Typen rennen ab da nur noch.

01:21:33: Die verbringen da, glaube ich, ein halbes Jahr in diesem Ausbildungslehrgang.

01:21:36: Der sagt der Ausbildungsleiter noch.

01:21:38: Mir ist lieber, wenn einer auftaucht und der ist ohnmächtig, als dass der unter Wasser die falsche Ausrüstung angezogen hat.

01:21:43: Die machen immer so Übungen und es ist so heftig.

01:21:45: In der ARD-Mediathek.

01:21:46: Bei allem, wo diese Dänster gerade in unserer Gesellschaft abgehen.

01:21:48: ARD-Mediathek, die Minentaucher, du wirst es komplett feiern, wette ich mit dir.

01:21:52: Und ganz am Ende, als die Abschlussprüfung kommt, da werden die noch einmal nachts um zwei Uhr aus ihrem Bett rausgeholt, der Ausbildungsleiter knallt vor die Tür, alle raus, müssen jetzt zwölf Stunden Gewaltmarsch machen.

01:22:03: Sechs Stunden rennen die, mit Rucksäcken auf, also weiter im Laufschritt, zwischendurch liegen Stütz, Klimmzüge, all der Scheiß und dann am Ende ins Wasser.

01:22:10: Und du denkst ja, jetzt schwimmen die da auf den Steg zu, wo dann die Familien waren.

01:22:15: Und das Befehl?

01:22:17: Für den großen Ordnen des Befehl.

01:22:19: Was ist?

01:22:20: Sechs Stunden schwimmen.

01:22:21: Und dann sagt der Ausbildungsleiter am letzten Tag an seinem Boot von der Schwimmleistung, hier bin ich total entscheidend.

01:22:27: Aber es mir egal, diesen im Wasser, ich bin im Boot, müssen Seil länger schwimmen.

01:22:30: Und du sitzt da auf deiner Couch gemütlich, gemummelt unter der Decke und haust in diesen Ben & Jerrys-Port rein und siehst diese Truppe.

01:22:37: Und es ist so, es ist total spannend, auch menschlich, kann ich nur dringende gucken.

01:22:41: Werde

01:22:42: ich mir ansehen.

01:22:43: Das

01:22:43: hat uns auch voll über heute.

01:22:44: Der Vater von einem guten Freund war übrigens früher Kampftaucher bei der... Bundeswehr, also was weiß ich, so acht Stunden durch die Ostsee und so weiter.

01:22:54: Und auch ein sehr vitaler Rüde, ist so in meinem Alltag jetzt.

01:22:59: Natürlich Rheuma, Knochen kaputt, kann kaum noch eine Treppe hochlaufen.

01:23:04: Toll!

01:23:06: Der hängt, der hängt, am Ende hängt der eine mit Teilnehmer von diesem Lehrgang an so einem Seil, nachdem die machen Olympiad im Wasser.

01:23:13: Immer ins Wasser springen, natürlich machen die alles im Wasser in Kleidung, damit es besonders schwer ist, müssen so ein Gewicht rausziehen.

01:23:18: Und am Ende muss der sich immer an so einem Seil mit so Knoten hochziehen an dieses Schiff.

01:23:21: Und der gesamte Lehrgang ist schon fertig.

01:23:23: Alle haben das geschafft, nur er nicht.

01:23:24: Und dann wird er so zwischengeschnitten im Interview und sagt... Wo ich wirklich stolz drauf bin, ist, wenn es richtig schwer wird, dann gebe ich nicht auf, sondern versuch weiter zu kämpfen, auch wenn das erst mal nicht so aussieht.

01:23:34: Und dann sagt irgendwann der Lehrgangsleiter, so, Sie merken ja hier das Anfeuern von Ihren Kumparen, das hilft nicht.

01:23:39: Sie alle gehen essen, er macht weiter.

01:23:40: Und du sitzt da und denkst, oh mein Gott, hat er nicht gesagt.

01:23:42: Und dann hängt dieser Armetyp weiter im Seil, zieht sich noch mal hoch, noch mal hoch, noch mal hoch.

01:23:45: Und als er es irgendwann gefühlt nach einer Stunde schafft, kommt der Ausbildungsleiter zu ihm und sagt, und wissen Sie, wie ich Ihre Leistung einstufe?

01:23:52: Und du denkst jetzt, sagt er, geil, dass Sie so durchgekämpft haben, dass Sie so durchgezogen haben.

01:23:56: Ich bin schwer enttäuscht.

01:23:57: Gehen Sie essen.

01:23:59: Ich glaube, du wirst es wirklich feiern.

01:24:01: Bis nächste Woche, mein Lieber.

01:24:02: Ich freue mich sehr drauf.

01:24:04: Ihr alle seid gedrückt da draußen auch.

01:24:19: Tschüss.

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